Komplexe Finanzprodukte: Diese Fragen sollte sich jeder vor dem ersten ETF-Kauf stellen

Die Werbung erzählt uns immer wieder, börsengehandelte Fonds (sog. ETFs), seien sehr einfache Anlageprodukte, die jedermann einfach so kaufen kann. Scheinbar kann man damit fast nichts falsch machen. Ein Irrtum.

  1. Wie hätten Sie denn Ihren ETF gerne? Synthetisch oder voll replizierend? Ist er synthetisch, dann sollten Sie wissen was ein Swap ist und ob es ein Kontrahentenrisiko gibt. Können Sie damit leben, nicht die Aktien zu besitzen, die Sie denken zu besitzen?
  2. Soll der ETF seine Erträge ausschütten oder thesaurieren? Wenn er ausschüttet: Wollen Sie für den Betrag neue Anteile, oder lieber das Geld aufs Konto? Bei thesaurierenden Fonds sollten Sie noch angeben, wo die Bank die sog. Vorabpauschale abbuchen darf. Glückwunsch, denn dann bezahlen Sie Steuern, auf Erträge, die Sie noch nicht haben.
  3. Soll Ihr internationaler ETF Fremdwährungen zum Euro hin absichern oder wollen Sie bewusst mit anderen Währungen spekulieren und hoffen, dass der Euro langfristig stark bleibt? Wieviel Fremdwährungsrisiko vertragen Sie?
  4. Welche Gebühren fallen an? Ein ETF hat Kosten, aber auch die Bank will bei jeder Transaktion etwas verdienen. Während Sie klassische Fonds meist kostenfrei zurückgeben können (= Geld raus), kommen bei ETFs bei jeder Transaktion (= Geld rein oder raus) Kosten auf Sie zu.
  5. Verleiht Ihr ETF Wertpapiere? Praktisch alle Gesellschaften behalten sich die Möglichkeit vor, die Wertpapiere im Besitz des Fonds zu verleihen. Die Leihenden können zum Beispiel Leerverkäufer sein. Sollte der Ausleihende zahlungsunfähig werden, erhält der ETF die Papiere womöglich nicht zurück.
  6. Was passt zu Ihnen? Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Immobilien, Rohstoffe oder doch lieber eine Mischung? Wenn Sie eine Mischung wollen, wie sind die Quoten? In welche Länder und in welche Branchen soll investiert werden? Soll z.B. Japan wirklich höher gewichtet sein, als Deutschland? Wenn ja, dann kaufen Sie womöglich einen ETF auf den MSCI World. Wenn nein, dann suchen Sie weiter.

ETFs sind komplexe Finanzprodukte und keinesfalls für unerfahrene Anleger geeignet. ETFs ersetzen weder Kenntnisse noch Erfahrungen oder eine qualifizierte Beratung. Das ist nichts, was man „mal schnell am Handy macht“. Insbesondere bei ETF-Sparplänen sollte man sich eine funktionierende Strategie überlegen, denn diese Produkte sollten die Anleger ein Leben lang begleiten. Viele ETFs sind sinnvoll, qualitativ und können für ausgesuchte Anleger geeignet sein. Aber nur weil ETFs gerade modern sind, sind sie nicht automatisch für jeden geeignet.

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