5 Alternativen zum Negativzins für Wertpapiermuffel

Sie hatten vor X Jahren mal Aktien der Telekom und haben seither eine Allergie gegen alles, was eine Wertpapierkennnummer hat? Bisher sind Sie damit gut gefahren, denn das viele Geld lag zwar unverzinst, aber sicher auf der Bank. Auf einmal geben die Banken den Negativzins an Sie weiter: Es gibt Lösungen.

  1. Ein Bausparvertrag. Ab 2021 gibt es neue Regeln zur Wohnungsbauprämie. Sehr viele Bürgerinnen und Bürger bekommen sie wieder. Hierdurch könnte die Rendite eines Bausparvertrages wieder positiv werden. Zudem reservieren Sie für sich oder Ihre Erben einen niedrigen Darlehenszins für später.
  2. Sie sind Mitte 50, verdienen mehr als sie ausgeben können, und bezahlen sich bei der Einkommenssteuer dumm und dämlich: Stocken Sie Ihre Rente auf und verschieben Sie somit die Steuerlast ins Rentenalter, wo ihr Steuersatz geringer sein kann. Hierzu bezahlen Sie einfach in die gesetzliche Rente oder einen privaten Basisrentenvertrag ein. Ihre Rendite ist die Differenz der Steuersätze von heute und dem im Rentenalter.
  3. Machen Sie eine Schenkung: Viele Banken bieten Freibeträge an. Somit werden nur für größere Vermögen Negativzinsen fällig. Diese Freibeträge gelten vielmals pro Person. Denken Sie also über eine Schenkung an den Ehepartner oder die Kinder nach. Vorsicht: Schenkungssteuer! Beachten Sie auch hier die Freibeträge.
  4. Das Sparbuch ist zwar die dümmste Geldanlage der Welt (siehe hier), aber einen Vorteil hat diese Sparform: Auf Sparbüchern sind Negativzinsen verboten.
  5. Bildung: Machen Sie sich schlau über Wertpapiere. Es gibt inzwischen auch kurzlaufende Anleihen mit festem Zins und Kapitalgarantie. Nimmt man die Bonität bekannter Bankenverbände (z.B. Volksbanken oder Sparkassen), dann könnte man auf gut 0,15% pro Jahr kommen. Das ist immerhin 0,65% über dem Negativzins.

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Das Sparbuch: Die dümmste Geldanlage der Welt?

Jeder zweite Deutsche hat ein oder mehrere Sparbücher. Noch immer zählt es zu den beliebtesten Anlageformen. Es steht für Sicherheit und Beständigkeit. Immerhin gibt es diese Anlageform schon seit über 200 Jahren. Rational gesehen dürften Sparbücher eine der dümmsten Geldanlagen der Welt sein, aber warum sind sie so beliebt?

Montag Vormittag 10 Uhr. Ich warte in der Schlange des Bankschalters. Vor mir wird ein aufgebrachter Kunde bedient. Es war unüberhörbar, dass er dingend 30.000 € von seinem Sparbuch abheben möchte um damit ein Auto zu kaufen. Die Mitarbeiterin hinterm Tresen versucht dem Herrn zu erklären, dass ein Sparbuch eine drei monatige Kündigungsfrist hätte. Man könne zwar monatlich über 2.000 € verfügen, aber alles darüberhinaus müsse drei Monate vorher gekündigt werden. Auf einmal wird es laut. Der Kunde schreit: „Das war noch nie so! Das habt ihr neu erfunden! Früher war alles besser! Ich will ihren Chef sprechen!“ Nach wenigen Minuten kommt die Filialleiterin. Sie führt ein kurzes Telefongespräch (wahrscheinlich darf nicht mal sie eine Ausnahme genehmigen) und bezahlt das Geld sofort aus.

Spareinlagen sind nach § 1 Abs. 29 Satz 2 KWG unbefristete Gelder, die u.a. eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten aufweisen. 2.000 € pro Monat sind frei. Wer also höhere Beträge auf dem Sparbuch spart, und das Geld dann ungekündigt verfügen möchte, hat ein Problem: Entweder die Bank genehmigt die Auszahlung oder eben nicht. Was wird eine Bank in Zeiten eines krisenbedingten Liquiditätsengpasses tendenziell machen? Vorsicht: Es gibt auch noch Sondersparbücher mit 6 oder 12 Monaten Kündigungsfrist. Ein Sparbuch ist eben kein Tagesgeldkonto. Es erschließt sich mir nicht, weshalb jeder zweite Deutsche eine Geldanlage hat, die keine (oder kaum) Zinsen abwirft und nicht täglich verfügbar ist.

Und wie ist es mit der Sicherheit? Das Sparbuch ist ein „qualifiziertes Legitimationspapier“ im Sinne des § 808 Abs. 1 Satz 1 BGB. Danach kann das Kreditinstitut an den jeweiligen Vorleger des Sparbuchs mit schuldbefreiender Wirkung auszahlen, sofern es sich um freie oder gekündigte Beträge handelt. Die Bank darf also an jeden Vorleger auszahlen! Natürlich kann man das Buch auch mit einem Kennwort schützen, das lassen sich aber die Banken recht teuer bezahlen. Wer mein Sparbuch findet oder stiehlt, kann somit theoretisch bis zu 2.000 € pro Kalendermonat verfügen. Der Vorleger hat keinen Anspruch auf Auszahlung (Bank kann im Zweifel verweigern), aber will ich mich darauf verlassen?

Die gute Nachricht zum Schluss: Es gibt zwar so gut wie keinen Zins, aber dieser Zins ist relativ gesehen sehr gut, denn Banken dürfen auf Sparbücher keine Negativzinsen verlangen. In manchen Bundesländern schreibt das Sparkassengesetz sogar „eine Eins an irgendeiner Stelle nach dem Komma“ vor. Bei solchen Banken sieht man dann oftmals Zinssätze wie 0,0001% oder ähnliches. Das ist aber immer noch besser, im Vergleich zu Minus 0,5%. Damit die Bank hierbei keine zu großen Verluste macht, muss sie die Spareinlagen langfristig (z.B. in Baufinanzierungen) anlegen. Daher wird es verständlich, warum immer mehr auf die Einhaltung der Kündigungsfristen gepocht wird.

Ein Sparbuch ist unsicher (außer es ist mit einem Kennwort gesichert oder liegt in einem Tresor) und extrem unflexibel. Aber es schützt vor Negativzinsen. Von der dümmsten Geldanlage der Welt zu sprechen, wäre zu heftig, aber für den langfristigen Vermögensaufbau ist es sehr ungeeignet. Das Sparbuch ist ein Instrument, das in bestimmten Konstellationen durchaus sinnvoll sein kann. Jeder zweite Deutsche hat ein Sparbuch – bei den meisten dürfte es wohl keinen Sinn machen.

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Die meist gehasste Börsenrally aller Zeiten

 Der Dax legte in der vergangenen Woche insgesamt mehr als neun Prozent zu. Das ist einer der größten Wochengewinne der Geschichte. Dabei näherte er sich seinem Rekordhoch von 13.795,24 Punkten bis auf gut 1.000 Zähler an, nachdem er im März zeitweise auf rund 8200 Stellen gefallen war. Dirk Müller sagte noch im Mai im Focus: „Dieser Crash ist ,The Big One“. Seither sind die Kurse fast nur gestiegen.

Profis hassen diese Rally! So hörte man im März doch überall noch Warnungen, die Welt ginge unter. Vielerorts wurde ins Negative übertrieben: Bei Panikverkäufen ebenso, wie beim Lockdown des öffentlichen Lebens. „Die Angst etwas zu versäumen“ hat nun die Aktienkurse dramatisch nach oben getrieben. Wegen der billionenschweren Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen setzen Investoren auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft. Es wird zu einer großen Umverteilung kommen, die Kapital von den Menschen hin zur Wirtschaft bewegt. Das spüren die Steuerzahlenden noch nicht mit neuen Belastungen, aber so krass, wie sich der Staat (und die EU) aktuell verschuldet, ist das nur eine Frage der Zeit. Das größte Risiko für den Aktienmarkt geht von einer zweiten Infektionswelle aus. Wenn man den DAX aktuell sieht, und die Großwetterlage dazu einschätzt, dann muss man sich bei diesen Gaga-Kursen schon die Augen reiben – es handelt sich eben um die meist gehasste Rally aller Zeiten. Vielleicht deshalb, weil viele nicht daran partizipieren?

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Zum #Kindertag: So baut man für die Kleinen ein Vermögen auf

In vielen US-Serien hört man von sogenannten „Collegefonds“. Gemeint sind gewöhnliche Investmentfonds, mit denen man für die Kinder ein Vermögen aufbauen kann. Mit dem Geld sollen die Sprösslinge irgendwann ihr Studium, die erste Wohnung oder andere Wünsche finanzieren können.

Es kann für Eltern sehr ratsam sein, einen Teil des Kindergeldes oder auch des Taschengeldes für den langfristigen Vermögensaufbau zu verwenden. So ein Kind, das heute zur Welt kommt, wird in 18-25 Jahren große Wünsche haben: Studium, Auslandsaufenthalt, Orientierungsjahr, Auto oder die erste Wohnung. Die wenigsten Kinder werden künftig mit 16 ins Berufsleben starten. Was können Eltern tun, um ihren Kinden einen möglichst großen Betrag mit auf den Weg zu geben?

Zunächst sollten Eltern (auch: Paten und Großeltern) klären, was sie regelmäßig sparen können bzw. wollen. Ich denke wir sind uns einig, dass das jährliche „Spardose entleeren“ nicht ausreichen wird. Gehen wir mal von 50 € monatlich für 20 Jahre aus: Diese Eltern können also aus eigener Kraft 12.000 € zur Seite legen. Nach Abzug einer zwei prozentigen jährlichen Inflation, bleibt hiervon eine Kaufkraft in Höhe von knapp 10.000 €. Man erkennt sofort: Was die Kinder dringend brauchen ist eine Rendite.

Manche Banken bezahlen Kindern noch Zinsen. Die Angebote liegen zwischen 0,5% und maximal 2%. Doch auch das reicht nicht aus, um die Inflation zu schlagen – es wäre stets ein Minusgeschäft. Bei einer so langen Laufzeit sind kurzfristige Schwankungen relativ egal. Daher können Eltern mit ruhigem Gewissen (breit gestreut) den Aktienmarkt nutzen. Bei einer beispielhaften Rendite von 6% p.a. kommt ein Vermögen in Höhe von 22.800 € zusammen. Nach Abzug einer Inflation entspricht das einer Kaufkraft von über 17.600 €.

Vorsicht Kostenfalle: Ich will nicht mit Zahlen nerven, aber von dieser schönen 6% Rendite könnten noch Kosten abgehen. Nimmt man einen teuren Aktienfonds mit 4% Ausgabeaufschlag und 1,2% laufenden Kosten dann schrumpfen unsere 22.800 € auf 19.200 €. Die Differenz verbleibt als tolle Provision bei der Bank bzw. Fondsgesellschaft. Für die Anbieter ist das ein lohnendes Geschäft, für die Kinder eher weniger.

Tipp: Wichtig ist, dass man einfach mal anfängt mit kleinen und regelmäßigen Sparbeträgen für die Kinder zu sparen. Je länger die Laufzeit und desto höher die Rendite, je niedriger darf die Sparrate sein. Auf die lange Sicht braucht niemand Angst vor Schwankungen zu haben. Die Kosten sollten nicht zu hoch sein, aber „nur billig“ ist auch nichts, denn von den Fonds will man ja auch eine gewisse Qualität erwarten. Mit Geld für Kinder sollte man nicht spekulieren, sondern breit gestreut investieren, damit die Kleinen wenn sie groß sind auch was davon haben.

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Dieser Börsencrash war nicht „The Big One“

Niemand klickt gerne auf einen Artikel, der behauptet, dass der Crash vorbei wäre. Mit Weltuntergangsszenarien und Crash-Prophezeiungen generiert man wesentlich mehr Klicks. Seit dem März-Tief hat der deutsche Leitindex DAX inzwischen um rund 40 Prozent aufgeholt und schloss gestern bei rund 11.500 Punkten. Damit steht für das bisherige Jahr 2020 noch ein Minus von -12.55% auf der Uhr. Ist dieses Minus ein nennenswerter Crash?

Ein Crash verkauft sich natürlich gut. Als der DAX im März weit unter 10.000 Punkte rutschte kamen sie alle aus Ihren Löchern: Egal ob Marc Friedrich und Matthias WeikMax OtteDirk MüllerMarkus Krall oder andere Propheten. Keiner von ihnen hatte eine Virus-Pandemie als externen Schock auf dem Schirm. Ich möchte die genannten Autoren nicht diskreditieren. Ich schätze ihre Expertise und Professionalität. Im März hatten wir ja auch einen Crash, und zwar einen sehr heftigen! Doch dann kam die Erholung: So schnell wie es nach unten ging, so schnell ging es wieder nach oben.

Die Anleger reagierten zuletzt ziemlich euphorisch auf den weltweit immer stärkeren Rückbau der Corona-Beschränkungen. Zudem werden Unsummen an Liquidität in die Märkte gepumpt: Zum einen durch die Notenbanken aber zum anderen auch durch neue Schuldenorgien neulinker Machthaber, die aufgrund der Krise völlig neue Befugnisse haben. Obwohl sich die Konjunktur noch immer im Rezessionsmodus befindet, schauen die Aktienmärkte schon in eine bessere Zukunft. Man geht davon aus, dass die Rettungspakete funktionieren und der Steuerzahler brav die Zeche zahlt. An dieser Stelle herzlichen Dank für eure Steuern, damit meine Aktien steigen. Danke! Danke! Danke!

Über den Märkten hängen derzeit zwei Damoklesschwerter: Zum einen die Gefahr einer zweiten Infektionswelle und zum anderen die verhärteten Fronten zwischen den USA und China. Daher solle man mit Käufen wohl noch vorsichtig sein, auch weil es nicht mehr ganz so billig ist. Die nächste Börsenwoche hat wieder wichtige Termine auf der Agenda. Nach wichtigen Stimmungsdaten aus China zum Wochenauftakt wird besondere Aufmerksamkeit der EZB-Ratssitzung am Donnerstag beigemessen. Neben dem Zinsentscheid, könnte die Europäische Zentralbank auch das Anleihekaufprogramm erhöhen.

Gold gehört in jedes Portfolio

Die Deutschen haben nicht vieles mit den Schwellenländern gemeinsam, aber bei der Beliebtheit von Gold gibt es eine große Gemeinsamkeit. Mit einem Privatbesitz von mehr als 8.000 Tonnen oder rund 100 Gramm pro Kopf zählen die Deutschen weltweit zu den treuesten Goldinvestoren.

Die Beliebtheit von Gold könnte an der Unsicherheit von Geld liegen. Niemand weiß, wie das globale Nullzins-Experiment ausgeht. Womöglich verlieren die Menschen irgendwann das Vertrauen in das Geldsystem? Dann könnte Gold seine Funktion als Währung der letzten Instanz ausüben, denn Gold ist nicht beliebig vermehrbar. Gold hat sich seit Jahrtausenden, trotz Wirtschaftskrisen, Kriegen und Währungsreformen, als stabiles Wertaufbewahrungsmittel gezeigt.

Wenn ich einem Portfolio Gold beimische (was ich stets tun würde), dann möchte ich damit kein (Papier-)Geld verdienen. Gedanklich bewerte ich Gold immer in Unzen und nicht in Euro. Eine Unze bleibt stets eine Unze – egal wie der Wechselkurs zum Euro steht. Gold bezahlt weder Zinsen, noch Mieten oder Dividenden. Gold ist quasi wie eine Versicherung: Hoffentlich braucht man sie nicht, aber man ist froh wenn man sie im Ernstfall hat. Einen Edelmetallanteil (i.d.R. Gold und Silber) von rund 5% bis 20% halte ich für empfehlenswert.

Isoliert betrachtet hat Gold vielmals eine höhere Volatilität, als beispielsweise Aktien. Der Mehrwert für das Portfolio liegt aber in der (teilweisen) negativen Korrelation. Gold kann bei systemischen Risiken beruhigend auf ein Gesamtportfolio einwirken. Dann gehen Wagnisanlagen, wie Aktien und Risikokapital, wie Anleihen, gleichermaßen in den Keller, während Gold (in Euro gerechnet) an Wert gewinnt.

Über die lange Frist (1975 bis 2018) brachte ein reines Aktieninvestment (MSCI World) pro Jahr mehr als doppelt so viel Rendite als Gold – und das bei etwas weniger Volatilität. Daher scheidet Gold als Einzelinvestment aus. Aber tun das nicht alle Anlageklassen? Ich kenne kein Asset, welches alleine betrachtet „so toll“ ist, dass man zu 100% darin investieren sollte. Die Beimischung von Gold hätte in den letzten Jahrzehnten zwar ein bisschen Rendite gekostet (im Vergleich zu Aktien), aber die Portfolio-Schwankung und somit das Stresslevel wäre entspannter gewesen.

Von Goldfonds und Gold-ETFs halte ich persönlich nicht viel. Manche Regionalbanken bieten „physische Goldsparpläne“ an oder haben dies in Planung. Sobald diese Produkte richtig in Fahrt kommen, nehme ich sie unter die Lupe. Meiner Meinung nach sollte man Edelmetalle immer physisch kaufen – auch aus steuerlichen Gründen (Kursgewinn ist nach 1 Jahr Spekulationsfrist steuerfrei). Bei Fonds hingegen wird auf Kursgewinne die Abgeltungssteuer fällig.

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Aktienmarkt im Mai: Es wird ein W

Nach dem 9%-Anstieg im April dürfte der DAX Anfang Mai tiefrot in den Handel starten. Ob die 10.000er Marke im Monatsverlauf hält, wird sich zeigen. Es droht die nächste Verkaufswelle.

Ein „U“ wird es nicht. Hierfür haben sich die Kurse zu schnell erholt. Was wir bisher an den Märkten sahen, war ein V – es ging schnell runter und schnell wieder hoch. Was nun droht ist das W: Quasi nochmal ein V. Die nächste Verkaufswelle kündigt sich an. Einigen Experten und Analysten ist der DAX noch viel zu hoch. Rechnet man die prognostizierten KGVs für 2020, dann sind sie zum Teil noch immer doppelt so hoch, als mitten in der Finanzkrise.

Im Mai kommen neben den Infektionszahlen, jede menge Impulse aus der Konjunktur. Insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten für April dürften Beachtung finden und einen beispiellosen Einbruch widerspiegeln. In Deutschland wird vor allem die Industrieproduktion im März zeigen, wie stark dieser wichtige Wirtschaftszweig unter den virusbedingten Einschränkungen gelitten hat. Zudem läuft die Berichtssaison auf ihren Höhepunkt zu, was zusätzlich Unsicherheit für die Anleger mit sich bringen kann. Die meisten Unternehmen geben für 2020 keine Prognose mehr ab und sind extrem vorsichtig.

Nachdem der Dax im Crash Ende Februar bis Mitte März rund 40 Prozent gefallen ist, erlebt er seither eine beeindruckende Erholung. Seit dem Tief bei rund 8250 Punkten ist das deutsche Aktienbarometer in nur sechs Wochen bereits wieder um ein Drittel oder 2750 Punkte gestiegen. Allerdings waren die Umsätze niedrig, was für keine gute Qualität der Gegenbewegung sprechen kann.

Übrigens: Der DAX war nie wirklich auf einem Rekordhoch. Der DAX ist nicht mehr zeitgemäß.

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Mitten in der Coronakrise: US-Börse mit größtem Monatsgewinn seit 1987

Gestern, am letzten Handelstag im April, tendieren die weltweiten Börsen zwar abwärts. Das ändert aber kaum etwas daran, dass sie den April als einen der stärksten Monate seit Langem beenden – und das mitten in der weltweiten Corona-Krise.

Viele Anleger haben im April ihre Quartalsberichte (per 31.03.2020) bekommen und waren zunächst geschockt. Beim aktuelleren Blick im Onlinebanking sahen sie dann aber einen höheren Wert. Was war passiert? Die Börse hat im April haussiert, obwohl die Coronakrise erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten wird. Obwohl es am Donnerstag zu großflächigen Gewinnmitnahmen kam, beendete der Dax den April immerhin mit einem Plus von ungefähr 9 Prozent. Dies ist auch als Gegenbewegung zum 40%-Einbruch im März zu verstehen. Dort hatten wohl viele Anleger und Investoren schlicht übertrieben und sich von Panik und Populismus leiten lassen.

In den USA sind mehr als 30 Millionen Menschen arbeitslos. Trotzdem performte die US-Börse im April so gut wie seit 1987 nicht mehr in einem einzigen Monat. Sogenannte Experten und Analysten führen dies auch auf die hohen Mengen an Liquidität durch die Notenbanken zurück. Zwar hat diese Woche weder die FED noch die EZB ihre Zinsen gesenkt, aber beide machten klar, dass sie bereit stünden, wenn es notwendig wird. In den nächsten Wochen und Monaten dürfte die Volatilität an den Märkten weiter hoch bleiben. Auch erneute Einbrüche sind mehr als denkbar. Dennoch muss man begreifen, dass an der Börse nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft gehandelt wird. Die Börse setzt nicht auf die Krise – sie setzt auf deren Ende.

„Langfristig bietet sich jetzt, vor allem für junge Sparer, eine einmalige Chance, endlich mal günstig in den Markt zu kommen“, schrieb ich am 05.04., was sich bisher bestätigt.

Diese Aktien haben von der Coronakrise profitiert

Am 19.02.2020 erreicht der deutsche Leitindex DAX bei 13.789 Punkten sein bisheriges Rekordhoch. Nur knapp einen Monat später, schloss er am 18.03.2020 bei 8.441 Punkten. Seither erholen sich die Kurse allmählich. Bis Freitag, 24.04.2020 konnte sich der Index auf 10.336 Punkte retten. Unterm Strich steht noch immer ein fettes Minus. Auf Sicht von 12 Monaten schlägt beim DAX ein Minus von 15,85% zu buche. Die folgenden Unternehmen hingegen konnten von der Corona-Pandemie profitieren.

ASML Holding N.V. mit Sitz in Veldhoven (Niederlande). ASML ist ein führender Hersteller von Lithografie- und Metrologie-Systemen inklusive der dazugehörigen Software für die Halbleiterindustrie. Die Kundenbasis umfasst alle weltweit führenden Chiphersteller wie Intel, Samsung, TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) oder GlobalFoundries. Neben der Hard- und Software stellt das Unternehmen eine breite Palette an begleitenden Dienstleistungen bereit. Die Aktie, die übrigens zum Eurostoxx50 gehört, notiert auf Sicht von 12 Monaten bei +43,88%, in den letzten 4 Wochen konnte sie hiervon +8,9% zulegen.

HelloFresh SE mit Sitz in Berlin ist der weltweit führende Anbieter von Kochboxen. Diese werden zu einem günstigen Zeitpunkt direkt an die Kunden geliefert und enthalten fast alles, was benötigt wird, um frische und gesunde Mahlzeiten aus lokalen Zutaten zuzubereiten. Der Konzern ist in den USA, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Neuseeland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Kanada tätig. Im 3-Monatszeitraum vom 1. Januar 2019 bis zum 31. März 2019 hat HelloFresh ca. 65,6 Millionen Mahlzeiten an rund 2,48 Millionen aktive Kunden ausgeliefert. Die Aktie in den letzten 12 Monaten: +276,79%; davon im ersten Quartal 2020: +44,58%. Dagegen sieht die Aktie von Delivery Hero SE regelrecht alt aus, wobei auch sie recht gut gestiegen ist.

Shop Apotheke Europe N.V. Dieser kleine SDAX Wert aus Venlo konnte sich in den letzten 12 Monaten glatt verdoppeln. Aktuell betreibt die Shop Apotheke Europe N.V. Online-Apotheken in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Das breite Sortiment von über 100.000 Originalprodukten wird an über 3,8 Millionen aktive Kunden geliefert. Die Aktie stieg in den letzten 4 Wochen um 33,53%.

Roche Holding AG. Die Aktie von Roche hat zwar beim Crash etwas nachgegeben, steht aber heute schon wieder höher, wie im Februar. Auf Jahressicht steht ein Plus von 31,36%. Die Roche AG mit Hauptsitz in Basel ist mit umgerechnet knapp 64 Mrd. US Dollar Umsatz das grösste Pharmaunternehmen der Welt, gefolgt von Pfizer und Novartis.

Amazon.com Inc. Seit Mitte 2018 lief die Aktie von Amazon im Wesentlichen nur noch zur Seite. Selbst im guten Börsenjahr 2019 konnte sie nicht wirklich zulegen. Erst in 2020 mit der Corona-Pandemie konnte die Aktie ihren Weg nach oben finden: 32,11% Kursgewinn im ersten Quartal 2020 kann sich sehen lassen. Die 1994 gegründete Amazon.com Inc. mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist einer der weltweit führenden Online-Versandhändler und beschäftigt weltweit rund 800.000 Mitarbeitende.

Zoom Video Communications Inc. Egal ob digitaler Elternabend, Teambesprechung oder die Sitzung des Kirchengemeinderates: Zoom ist in aller Munde. Zoom ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen mit Sitz in San José, das Software für Videokonferenzen anbietet. Während der COVID-19-Pandemie stieg die Nutzerzahl von 10 Millionen im Dezember 2019 auf über 200 Millionen monatliche Nutzer im März 2020. Der Aktienkurs legte im ersten Quartal 2020 um sagenhafte 117% zu. Eingesetzt wurde der Dienst nicht nur von Unternehmen, sondern auch von Schulen und Universitäten für den Online-Unterricht sowie im privaten Bereich.

Diese Aktienauswahl ist nicht vollständig. Sicher haben auch noch weitere Unternehmen von der Coronakrise profitiert. Dieses Blog gibt keine Empfehlungen zu Wertpapieren ab; so auch bei den genannten Aktien nicht. Nach der Krise wird vieles nicht mehr so sein, wie es vorher war. Wir sehen viele Veränderungen. Vieles was vorher „undenkbar“ war, geht jetzt auf einmal. Erst Handlungsdruck führt zu einer Verhaltensänderung. Wir werden in der Wirtschaft einen Wandel und eine Bereinigung sehen. Mal schauen welche Player in der neuen Zeitrechnung das Sagen haben.

Keine Angst vor Zertifikaten

Kaum geht es an der Börse mal gen Süden, schon werden wieder die ersten Vergleiche zu anderen Crashs gezogen. 2008 sind die sogenannten „Lehman-Zertifikate“ zu trauriger Berühmtheit gelangt. Doch in 2020 hinkt dieser Vergleich sehr.

Zertifikate werden gerne als künstliche Finanzprodukte bezeichnet. Quasi so, als gäbe es so etwas wie natürliche Finanzprodukte, die viel besser sind. Alle Finanzprodukte sind künstlich! Oder hat schon mal jemand ein Sparbuch an einem Baum wachsen sehen? Zertifikate sind Schuldverschreibungen, also Kredite. Die Anleger leihen einer Bank Geld und diese bezahlt es wieder zurück. Lehman ging pleite – daher kam es zu Verlusten. Manche Zertifikate fielen aber auch wegen ihrer Konstruktion aus. Wer das nicht versteht, sollte die Finger von diesen Papieren lassen oder sich ausreichend damit beschäftigen.

Zertifikate sind wichtige und richtige Finanzprodukte. Mit ihnen kann ein Kleinanleger asymmetrisch in die Märkte investieren. Beispiel gefällig? Ein Express-Zertifikat mit dem Basiswert „EuroStoxx50“, das ist der führende Aktienindex für die Eurozone. Steigt der Index auf Sicht eines Jahres, bekommen die Anleger ihr Geld zurück, zzgl. zum Beispiel 3% „Zins“. Dabei spielt es keine Rolle, wie sehr der Index gestiegen ist. Fällt der Index auf Sicht eines Jahres, dann verlängert sich das Zertifikat um ein Jahr. Steht der Index dann am Ende des zweiten Jahres höher (oberhalb eines festgelegten Tilgungslevels), dann bekommen Anleger ihr Geld, zzgl. 6% „Zins“. Und so verlängert sich die Struktur Jahr für Jahr bis zum letzten Bewertungstag (meist 4-6 Jahre): Bei 3% „Zins“ wäre eine Schlussbarriere von z.B. 50% realistisch.

Sogar der billigste Finanzjournalist kann doch nun folgendes erkennen: Anleger können mit Zertifikaten auch dann Geld verdienen, wenn der Basiswert fällt. Mit dem oben skizzierten Zertifikat verdiene ich 3% pro Jahr, und der europäische Aktienmarkt darf sich sogar halbieren! Wenn er das täte, dann hätte ich keinen Spass mit meinen ETFs oder anderen Fonds. Das Zertifikat sichert mein Depot sogar ab. Weil es Restrisiken gibt (z.B. wenn die Barriere reißt), sollte man Zertifikate nur beimischen und stets verschiedene Basiswerte nehmen. Bei Lehman gab es damals übrigens sog. „ständige Barrieren“. Manche Zertifikate wurden sofort wertlos, sobald die Barriere berührt wurde („heißer Draht“). Solche Konstruktionen gibt es zwar immer noch, sind aber in Zeiten einer verbesserten Beratungsqualität nicht mehr all zu oft zu finden.

Woher kommt die Angst? Die neue Angst vor Zertifikaten kommt wahrscheinlich von der täglichen Kursfeststellung. Zertifikate haben ein klares Auszahlungsprofil, mit fixen Beobachtungstagen, Tilgungslevels und Rückzahlungsterminen. Unterjährig stellen die Banken täglich Kurse, zu denen man ein Zertifikat auch freihändig veräußern könnte. Mit diesen täglichen Kursen werden die Zertifikate in den Depots bewertet. In Zeiten von Online- und MobileBanking sehen das dann die Anleger ggf. sogar täglich. In einem Crash gehen natürlich auch diese Kurse nach unten. Ängstliche Anleger sollten dann erstmal prüfen, ob die Auszahlungsstruktur noch intakt ist. Klar, Verluste sehen nie schön aus, aber was man da „online“ sieht, sind nur Tagesbewertungen und haben nichts mit dem künftigen Anlageerfolg zu tun.