Ein Verwahrentgelt ist kein Negativzins

Immer mehr Banken führen ein Verwahrentgelt ein. Besonders ärgerlich dabei: Steuerlich sind Negativzinsen keine Zinsen.

Der Minuszins ist längst da. Allerdings wird er nur noch nicht von jedem bezahlt. Bislang gaben viele Banken den Strafzins nicht an ihre Kunden weiter. Die Belastung wurde sozusagen quersubventioniert. Inzwischen brechen aber die Dämme. Die meisten Banken haben schon länger individuelle Vereinbarungen mit gewerblichen oder institutionellen Kunden. Dieser Tage wird es normal, auch Privatkunden mit dem Negativzins der EZB zu belasten. Damit es nicht zur „Reise nach Jerusalem“ kommt, verlangen viele Banken den Strafzins (noch) nur sogenannten Neukunden und meist erst ab 100.000 €.

Ein schlauer Anlegender könnte jetzt meinen, dass ein Negativzins eine negative Einkunft ist, die er steuerlich mit anderen Kapitaleinkünften verrechnen kann. Ähnlich wie bei Wertpapieren könnte es einen Steuertopf geben, dessen Saldo versteuert würde. Oder die Bank erstellt eine Bescheinigung über den bezahlten Minuszins und der Anleger verrechnet das mit dem Finanzamt. Doch das alles geht nicht, denn der Strafzins ist kein Zins.

Ein Verwahrentgelt ist eine Gebühr. Somit gehört dieser Posten zu den Werbungskosten. Diese können zwar von der Kapitalertragssteuer abgesetzt werden, aber nur bis zum maximalen Werbungskostenpauschbetrag. Derzeit liegt dieser bei 51 € und kann gemeinsam mit dem Sparerfreibetrag (750 €) als sog. Freistellungsauftrag für Kapitalerträge mit maximal 801 € pro Person bei der Bank eingetragen werden. Dieser Freibetrag kann auf mehrere Banken aufgeteilt werden, darf in Summe aber nicht die 801 € pro Person übersteigen. Tipp: Auch Kinder können Erträge in Höhe von 801 € pro Jahr freistellen.

So wird jeder Millionär

Sie geben jeden Monat weniger aus, als Sie einnehmen und Sie haben mindestens 35 Jahre lang Zeit? Legen Sie Ihren Überschuss ertragreich an, dann können Sie Millionär werden.

Mit der folgenden monatlichen Sparrate kann es in 35 Jahren gelingen. Je nach Renditechance kann sie höher oder niedriger ausfallen.

  • Bei 0% Zins (Sparkonto, Tagesgeld): 2.381 €
  • Defensives Mischportfolio, 2%: 1.650 €
  • Ausgewogenes Mischportfolio, 4%: 1.108 €
  • Defensive Aktienstrategie, 6%: 725 €
  • Offensive Aktienstrategie, 8%: 464 €

Bei 8% Jahresrendite reichen also schon 15 € pro Tag, um in 35 Jahren Millionär zu sein. Wer mehr Zeit hat, muss sogar noch viel weniger investieren. Sie leben zu zweit, dann reichen bei 8% Rendite sogar 7,5 € pro Person und Tag, damit Sie in 35 Jahren gemeinsam Millionär sind. Je nach Sparfähigkeit muss es eben mehr Laufzeit oder mehr Rendite sein. Wer wenig sparen kann, sollte früh anfangen und eine hohe Rendite wählen. Wer bewusst auf Rendite verzichtet, lässt sich FREIWILLIG enteignen.

Nein, Dividende ist nicht der neue Zins

Dividende sei der neue Zins, wollen uns geschickte Vertriebler glauben lassen. Mit dieser Aussage sollen risikoscheue Zins-Sparer angelockt werden. Fachlich gesehen, ein großer Trugschluss.

Um zu verstehen, warum Dividende nicht der neue Zins ist, müssen wir uns den grundlegenden Unterschied zwischen Anleihen und Aktien verdeutlichen. Anleihen sind Kredite. Geht der Schuldner nicht pleite, dann bekommen die Anleger 100% ihres Einsatzes zurück. Bis zur Fälligkeit kann es planmäßig zu regelmäßigen Zinszahlungen kommen. Das Risiko- Renditeverhältnis ist also stark asymmetrisch: Man kann bei Anleihen (und Krediten aller Art) maximal den Zins gewinnen, aber die gesamte Ausleihung verlieren. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist (je nach Rating) zwar gering, aber durchaus vorhanden. Der Zins bezahlt einem breit diversifizierten Anleihen-Investor im Optimalfall die Ausfälle, weil jeder Kreditnehmer seinen potenziellen Ausfall als Risikoaufschlag (Spread) bezahlt.

Bei Aktien ist das Risiko- Renditeverhältnis viel symmetrischer. Aktien sind für die Unternehmen Eigenkapital, das gestückelt an einem Marktplatz gehandelt wird. Jeder Besitzer von Aktien hat ein Anrecht auf Beteiligung am Jahresüberschuss (sog. Dividende). Der Marktpreis von Aktien (sog . Aktienkurs) schwankt um den inneren Wert des Unternehmens. Eine Rückzahlung wie bei Anleihen gibt es nicht. Anleger machen immer erst dann Kasse, wenn sie die Papiere verkaufen. Aktien steigen und fallen, während die Dividende eine relativ feste Einkommensart ist. Weil Unternehmen eher wachsen und nicht schrumpfen (im Schnitt betrachtet) und weil die Dividende eine relativ konstante Zahlen ist, sind die Renditen von Aktien langfristig nicht komplett symmetrisch, sondern rechtsschief.

Zins und Dividende sind komplett unterschiedliche Dinge. Beide tragen zu einem steten Zufluss an Cash bei, aber die ursächliche Investition ist jeweils eine grundlegend andere. Bei einem haben die eingangs erwähnten Vertriebler aber recht: Fixed Income Strategien können für viele Anleger ein möglicher Ausweg aus der Nullzinsfalle sein, denn die Enteignung durch Minuszins findet freiwillig statt.

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Deshalb nutze ich sehr gerne ApplePay – trotz neuem Problem

Die Deutschen lernen zwar langsam kontaktloses Bezahlen, Apple Pay und Google Pay bleiben ihnen aber suspekt. Aus einem bestimmten Grund bevorzuge ich inzwischen ApplePay.

Das mobile Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch hat zwar seine Exotik verloren, doch noch immer bleibt ein gewisses Vertrauensproblem gegenüber den internationalen Anbietern. Inzwischen bietet auch meine Bank ApplePay an. Android-Nutzer können schon länger mobil Bezahlen. Den Vorteil sehe ich in der Sicherheit, denn der Bezahlvorgang wir per Touch-ID freigegeben und das ab dem ersten Euro. Im Vergleich dazu, können mit der NFC-Karte kleinere Beträge völlig ohne Legitimation bezahlt werden. Die Bezahlung mit dem Handy ist für mich somit nicht nur praktischer, sondern auch sicherer.

Durch das mobile Bezahlen kam ein neues Problem auf mich zu. Inzwischen sammle ich unbewusst Pfandbons. Seitdem ich an der Kasse nur noch das Handy zücke, aber das Portemonnaie stecken lasse, vergesse ich beim Bezahlen den Pfandbon. Zuhause finde ich die Dinger dann wieder. Hier sollte der Handel noch tätig werden! Warum kann ich den Bon nicht aufs Handy machen, damit er beim mobilen Bezahlen berücksichtigt wird? Per QR-Code müsste das doch irgendwie gehen.

Deshalb kann BlackRock nicht so einfach aus klimaschädlichen Investitionen raus

Im jährlichen Brief an die CEOs bedeutender Unternehmen erörtert der BlackRock-Chef Larry Fink eine grundlegende Umgestaltung der Finanzwelt und die Bedeutung des Klimawandels als Triebfeder.

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock drängt Konzerne zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. Andernfalls würden sich die Anleger zunehmend abwenden, warnte Larry Fink. BlackRock werde sich aus Investitionen zurückziehen, die etwa wie die Kohleförderung mit hohen Nachhaltigkeitsrisiken verbunden seien. Dass Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes bei Investitionsentscheidungen immer wichtiger werden, kann ja sein, aber gerade BlackRock kann die „dirty economy“ nicht so einfach abstoßen. Das Ganze riecht nach einem „Marketing-Witz“.

Mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von etwa 1,6 Billion US-Dollar in mehr als 700 Fonds gehört iShares zu den größten ETF-Anbietern. Diese Marke gehört zu BlackRock und weil die iShares-ETFs so sehr beliebt sind, ist BlackRock inzwischen an jedem namhaften Unternehmen bedeutsam beteiligt. Ein DAX-ETF muss nun mal den DAX kaufen, ob er will oder nicht. Ein europäischer ETF hat automatisch auch Shell, Total, Siemens und so weiter im Portfolio. BlackRock kann sich also nicht wirklich von diesen Werten trennen. Inzwischen gibt es auch „Öko-Indizes“ oder Aktienindizes, die gewisse Nachhaltigkeitskriterien (z.B. nach ESG) erfüllen, doch hier handelt es sich noch immer um ein Randsegment.

Wie passive Fonds wirklich nachhaltig investieren können, bleibt vielen Anlegern ein Rätsel. Wer wirklich mit reinem Gewissen anlegen will, sollte auf die Selektion durch Profis achten.

Die Preise für Immobilien können (und werden) fallen

Mit dieser These kann man schocken. Ja, fast schon unanständig hört es sich an. Die Immobilienpreise können und werden fallen. Unvorstellbar? Nein.

Preise entstehen an einem Markt durch Angebot und Nachfrage. Die meisten Immobilien, vor allem auf dem Land, gehören den Baby-Boomern. Deren Kinder sind in der Regel „aus dem Haus“, welches daher nun viel zu groß ist. Jeder von uns kennt „diese eine Oma“ im Dorf, die auf 200qm mit Garten und Scheune wohnt. Nunja, die Kinder der Boomer tauchen natürlich als Käufer auf, aber sie sind summenmäßig weniger, im Vergleich zu den vielen Verkäufern.

Der Kaufdruck kann natürlich noch einige Jahre weiter gehen. Doch spätestens ab 2030 sind die Boomer sowas von alt, dass sie ihre (viel zu großen) Immobilien verkaufen möchten, um sich zu verkleinern. Dann sind betreute Anlagen oder auch Pflegeimmobilien gefragt. Aber die große Hütte mit Scheune steht zum Verkauf. Wer soll kaufen? Die wenigen Millennials? Die Zuwanderer? Die Generation Z? Wohl kaum. Sobald das Angebot die Nachfrage übersteigt, werden die Preise fallen, was zu einer Preisspirale nach unten führen kann.

Preise können steigen und fallen und sie werden dies auch tun. Vor allem wir Deutschen müssen lernen, dass die Preisblase bei Immobilien platzen kann. Ursächlich ist nicht nur der niedrige Zins, sondern auch die demographische Entwicklung. Ein Preisrückgang bei Immobilien wäre für viele gar nicht mal so schlecht. Diese Bereinigung sehnen viele sogar herbei. Interessant wird die Allokation. Metropolen dürfen sicherer sein; auf dem Land dürfte der Effekt deutlich spürbarer sein.

Gewerbeimmobilien und ausgewählte Wohnimmobilien sollten aber auch in Zukunft eine auskömmliche Rendite bringen. Wichtig ist die Selektion, die Lage, die Lage und nochmal die Lage. Und die Lage! Jeder Mensch muss wohnen. Daher gehören Immobilien in jedes Portfolio. Allerdings müssen wir uns von dem Gedanken lösen, Immobilien seien eine komplett sichere Sache.

Zinsen: Die freiwillige Enteignung

Die Deutschen bunkern rund 1,5 Billionen Euro auf Konten ohne Zinsen. Manche schimpfen, andere haben resigniert. Diese kollektive Opferhaltung birgt eine unbequeme Wahrheit: Die Enteignung findet freiwillig statt.

Staaten haben Schulden und Bürger haben Guthaben. Das Guthaben des einen ist immer auch die Schuld eines anderen. Staatspolitisches Ziel ist somit immer, die Guthaben mit den Schulden zu verrechnen. Dies geht über Steuern, Enteignung, Krieg oder Inflation. Noch wird die Substanz von Vermögen nicht wirklich besteuert (nur die Erträge daraus). Auch Enteignungen gehören noch ins Reich neulinker Spinnerei. Daher soll es über Inflation gemacht werden. Das von der EZB ausgerufene Ziel: Nahe aber unter zwei Prozent Geldentwertung pro Jahr. Somit schrumpft die Kaufkraft von Guthaben, aber auch die von Schulden. Bei Nullzins und beispielsweise 1,5% Inflation, verlieren Sparer jährlich 1,5% – in zehn Jahren sind das immerhin 15%. Das kann man Enteignung nennen. Politiker würden es stolz Schuldenkonsolidierung nennen und auf Plakate schreiben. Banker nennen es Realzinsfalle. Auf ein oder zwei Jahre lässt sich ein negativer Realzins (Guthabenszins minus Inflation) noch aushalten, aber bei langfristigen Anlagen (Altersvorsorge) tut das richtig weh.

Aber das ganze findet ja freiwillig statt. Niemand muss sein Geld zinslos parken. Niemand muss zwanghaft sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen lassen. Wir müssen das nicht tun! Trotzdem tun wirs und die Gründe sind wie immer vielfältig. Bei manchen ist es Faulheit, bei anderen Unwissenheit und bei manchen womöglich eine besondere Form von Opferkult. Schließlich muss man ja was haben, um sich aufzuregen. EZB als Feinbild. Da kann man wenigstens mitreden und im bundesweiten Jammer-Chor mitsingen. Was auch immer die individuellen Gründe fürs Nichtstun sind, schlussendlich findet alles freiwillig statt. Niemand muss sich enteignen lassen. Kann es sein, dass es dauerempörte Wutbürger sogar befriedigend finden, sich ständig (in einer Opferrolle) aufzuregen?

Na gut, was kann man denn tun? Das ist kein Geheimnis. Das geht für die meisten Menschen allerdings nicht per „Check24“. Für eine breit gestreute Anlagestrategie sollte man sich schon mal ne Stunde Zeit nehmen. Einem guten Immobilienfonds darf man langfristig rund 2% per Anno zutrauen. Von einem global gestreuten Anleihenkorb kann man 0,5% bis 1% erwarten, wenn man bereit ist gewisse Schwankungen zu akzeptieren. Und dann sind da noch Unternehmensbeteiligungen. Bei Aktien wird es immer wieder zu Schwankungen kommen, doch langfristig sollten 5% pro Jahr drin sein. Zur Beimischung taugen noch Rohstoffe (Gold, Silber, Energie) und spezielle Derivate zur Absicherung. Jegliche Kursschwankung (egal bei welcher Assetklasse) kann durch monatlichen Einstieg („Sparplan“) abgemildert werden. Auch können Zertifikate auf einen Aktienindex zum Einsatz kommen, die einen Puffer haben und somit eine auskömmliche Seitwärtsrendite bringen dürften.

Was auch immer Anleger tun, Nullzins muss nicht sein. Allerdings muss man sich mit dem Thema beschäftigen und (neben dem Anlagebetrag) wirklich mal 1-2 Stunden investieren. Einen risikolosen Zins, quasi als „bedingungsloses Grundeinkommen für Reiche“ muss es nicht geben, gibt es nicht und wird es die nächsten Jahre auch nicht mehr geben. Aber über was soll man sich denn dann aufregen, wenn man auf einmal wieder Renditen hat? Da fällt der Empörungsindustrie sicher was ein. Irgendwas ist immer.

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Hey Greta, ohne Wachstum keine faire Verteilung

Greta Thunberg hat beim UN-Klimagipfel das Wirtschaftswachstum kritisiert. „Alles, woran Ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum“, hat sie mit bibbernder Stimme den Regierungschefs an den Kopf geworfen. Leider irrt sich Greta gewaltig.

Um zu verstehen warum wir Wachstum brauchen, muss man die volkswirtschaftliche Verteilung betrachten. In einer Marktwirtschaft können immer diejenigen gewinnen, die entweder schlau, schön oder ehrgeizig sind. Menschen, die eher dumm, hässlich oder faul sind, werden tendenziell weniger erfolgreich sein. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber per Durchschnitt betrachtet könnte es stimmen. Nun sind halt die wenigsten absichtlich faul, dumm oder hässlich. Es ist Veranlagung, Konditionierung oder vielleicht sogar genetisch? Daher braucht es sowas wie Verteilung, denn alle Menschen sollen ein Teil unserer Gesellschaft sein und daran teil haben können.

Was will man denn verteilen, wenn es kein Wachstum gibt? Ohne Wachstum können die Gewerkschaften keine Lohnerhöhungen fordern. Natürlich steigen dann auch keine Renten oder andere Transferzahlungen. Wenn nun verteilt werden soll, und ja es wird verteilt werden müssen, dann käme man nicht umhin, es jemandem wegzunehmen. „Verteilung aus der Substanz“, könnte man es nennen. Tut weh. Ist doof. Wachstum kann man schön verteilen. Aber wer beginnt, die Substanz zu verteilen, der verwaltet am Ende den Mangel. Das kann zu Unruhen führen, weil der ein oder andere nicht breit sein wird, seinen Lebensstandard per Zwang für andere nach unten zu setzen.

Kann es grenzenloses Wachstum in begrenzten Systemen geben? Ja. Man muss nur wissen, was dieses „Wachstum“ eigentlich ist. Da wird nichts größer! Wenn wir von Wachstum sprechen dann sind wir besser, effizienter und produktiver geworden. Das darf natürlich auch nachhaltig sein. Eigentlich bräuchten wir noch viel mehr Wachstum. Die Weltuntergangler denken manchmal viel zu klein und sollten lernen groß zu denken: Wenn wir jetzt in nachhaltige Zukunftsthemen investieren und für Wachstum sorgen, dann kann es auch wieder mehr Verteilung geben, damit alle Menschen an einer freien Gesellschaft teilhaben können. Wachstum ist nicht das Problem, sondern die Lösung.

Wie hoch darf die Aktienquote sein?

Diese Gretchenfrage ist nicht leicht zu beantworten. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Als Anleger investiert man in das Eigenkapital von Unternehmen und hat somit einen Anspruch auf Teilhabe am Gewinn (Dividende) und profitiert davon, wenn das Unternehmen wertvoller wird (Kurssteigerung). Weil die Kurse (Preise) von Aktien gewissen Schwankungen unterliegen, sollte die Aktienquote intelligent gewählt werden.

Bei einem 20 Jährigen, der monatlich zur Altersvorsorge sparen möchte, ist jede Aktienquote unter 100% eine Falschberatung. Aber nun sind wir nicht alle 20 (leider) und nicht alle von uns haben einen Anlagehorizont, der über Jahrzehnte reicht. Daher benötigen wir einen breit gefächerten Anlagemix. Die Aktie als Renditebringer (…und Risikobringer) darf natürlich nicht fehlen. Helfen kann eine einfache Berechnung.

Nehmen wir einen Anleger mit einem kleineren höheren Vermögen von 150.000 €. In den nächsten 12-60 Monaten will er eine Weltreise machen, plant Investitionen ins Eigenheim und kauft ein neues Auto. Dieses „kurzfristig verplante Geld“ hat in Wertpapieren nichts zu suchen! Nehmen wir an, dass er 100.000 € in den nächsten 5 plus X Jahren nicht geplant ausgeben will. Er entscheidet sich für ein Depot, bestehend aus drei Anlageklassen. mit folgender Aufteilung:

  • 50.000 € in globale Anleihen (invest. Grade). Ertragserwartung: 750 € pro Jahr. Risiko: Eher gemäßigt.
  • 25.000 € in Sachwerte wie Immobilien (über Fonds) und auch Rohstoffe (Gold, Energie usw…). Ertrag pro Jahr: 500 € pro Jahr. Auch hier mit eher gemäßigtem Risiko. Dieses Asset bringt eine gewisse Unabhängigkeit von den anderen Assets („negative Korrelation“).
  • 25.000 € in dividendenstarke globale Aktien. Ertragserwartung: Irgendwas zwischen minus 3.750 € und plus 5.000 € pro Jahr.

Wir addieren: 1.250 € Ertrag kommen relativ sicher. Fallen die Aktienmärkte um 15% („worst case“), dann verliert unser Anleger auf Jahressicht 2.500 € bzw. 2,5% vom Depotwert. In einem sehr guten Jahr (Aktien plus 20%), würde das Depot um 6.250 € bzw. 6,25% wachsen. Wenn unser Anleger also eine Risikobereitschaft von 2,5% mitbringt, dann wird er sich mit 25% Aktien gut wohl fühlen. Sein Depot wird sich langfristig im Korridor -2,5% bis +6,25% aufhalten, wobei Extremereignisse auch temporär zu anderen Werten führen könnten. Daher sollten weitere Portfoliobausteine hinzu kommen, die hier zur Vereinfachung weggelassen wurden.

Der nächste Crash könnte durch ETFs ausgelöst werden

ETFs sind sehr beliebt. Verbraucher*innen kaufen sie gerne, weil sie sich irgendwie anständig, laktosefrei und vegan anhören. In Wahrheit könnten ETFs aber toxische Finanzprodukte sein, die einen möglichen Crash nicht nur verstärken, sondern auch auslösen.

Stellen Sie sich einen Finanzmarkt vor, auf dem jeder Marktteilnehmer nur ETFs hat. Alle Preise würden, je nach Indexgewichtung, immer zusammen steigen und zusammen fallen, denn eine Einzeltitelselektion fände nicht statt. Die Kurse steigen, gierige Hippster steigen ein. Hierdurch steigen die Kurse noch weiter und noch mehr gierige Hippster steigen ein. Der Trend nährt den Trend. Die Aktien steigen nicht, weil die Unternehmen gesunde und nachhaltige Gewinne machen. Die Aktienkurse steigen, weil sie steigen. Durch den Kauf eines gesamten Index, steigen auch Aktien derjenigen Unternehmen, die schlichtweg als Zombie unterwegs sind.

Sobald wir mal fallende Kurse sehen, kehrt sich dieser Mechanismus um. Die Anlegenden werden panisch verkaufen. Alle Kurse rauschen in den Keller (klar, weil durch den ETF wird ja auch immer alles verkauft), auch die qualitativ guten Unternehmen. Auch jetzt verstärkt der Trend den Trend. ETFs hebeln wichtige Machtmechanismen aus. Dabei sind funktionierende Märkte, die auch ein gewisses Maß an Volatilität zulassen, unerlässlich für eine angenehme Finanzmarktstabilität. Mit ETFs unterdrücken wir sehr viel Volatilität, was sich irgendwann als „black swan“ entladen könnte.