Wie hoch darf die Aktienquote sein?

Diese Gretchenfrage ist nicht leicht zu beantworten. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Als Anleger investiert man in das Eigenkapital von Unternehmen und hat somit einen Anspruch auf Teilhabe am Gewinn (Dividende) und profitiert davon, wenn das Unternehmen wertvoller wird (Kurssteigerung). Weil die Kurse (Preise) von Aktien gewissen Schwankungen unterliegen, sollte die Aktienquote intelligent gewählt werden.

Bei einem 20 Jährigen, der monatlich zur Altersvorsorge sparen möchte, ist jede Aktienquote unter 100% eine Falschberatung. Aber nun sind wir nicht alle 20 (leider) und nicht alle von uns haben einen Anlagehorizont, der über Jahrzehnte reicht. Daher benötigen wir einen breit gefächerten Anlagemix. Die Aktie als Renditebringer (…und Risikobringer) darf natürlich nicht fehlen. Helfen kann eine einfache Berechnung.

Nehmen wir einen Anleger mit einem kleineren höheren Vermögen von 150.000 €. In den nächsten 12-60 Monaten will er eine Weltreise machen, plant Investitionen ins Eigenheim und kauft ein neues Auto. Dieses „kurzfristig verplante Geld“ hat in Wertpapieren nichts zu suchen! Nehmen wir an, dass er 100.000 € in den nächsten 5 plus X Jahren nicht geplant ausgeben will. Er entscheidet sich für ein Depot, bestehend aus drei Anlageklassen. mit folgender Aufteilung:

  • 50.000 € in globale Anleihen (invest. Grade). Ertragserwartung: 750 € pro Jahr. Risiko: Eher gemäßigt.
  • 25.000 € in Sachwerte wie Immobilien (über Fonds) und auch Rohstoffe (Gold, Energie usw…). Ertrag pro Jahr: 500 € pro Jahr. Auch hier mit eher gemäßigtem Risiko. Dieses Asset bringt eine gewisse Unabhängigkeit von den anderen Assets („negative Korrelation“).
  • 25.000 € in dividendenstarke globale Aktien. Ertragserwartung: Irgendwas zwischen minus 3.750 € und plus 5.000 € pro Jahr.

Wir addieren: 1.250 € Ertrag kommen relativ sicher. Fallen die Aktienmärkte um 15% („worst case“), dann verliert unser Anleger auf Jahressicht 2.500 € bzw. 2,5% vom Depotwert. In einem sehr guten Jahr (Aktien plus 20%), würde das Depot um 6.250 € bzw. 6,25% wachsen. Wenn unser Anleger also eine Risikobereitschaft von 2,5% mitbringt, dann wird er sich mit 25% Aktien gut wohl fühlen. Sein Depot wird sich langfristig im Korridor -2,5% bis +6,25% aufhalten, wobei Extremereignisse auch temporär zu anderen Werten führen könnten. Daher sollten weitere Portfoliobausteine hinzu kommen, die hier zur Vereinfachung weggelassen wurden.

Der nächste Crash könnte durch ETFs ausgelöst werden

ETFs sind sehr beliebt. Verbraucher*innen kaufen sie gerne, weil sie sich irgendwie anständig, laktosefrei und vegan anhören. In Wahrheit könnten ETFs aber toxische Finanzprodukte sein, die einen möglichen Crash nicht nur verstärken, sondern auch auslösen.

Stellen Sie sich einen Finanzmarkt vor, auf dem jeder Marktteilnehmer nur ETFs hat. Alle Preise würden, je nach Indexgewichtung, immer zusammen steigen und zusammen fallen, denn eine Einzeltitelselektion fände nicht statt. Die Kurse steigen, gierige Hippster steigen ein. Hierdurch steigen die Kurse noch weiter und noch mehr gierige Hippster steigen ein. Der Trend nährt den Trend. Die Aktien steigen nicht, weil die Unternehmen gesunde und nachhaltige Gewinne machen. Die Aktienkurse steigen, weil sie steigen. Durch den Kauf eines gesamten Index, steigen auch Aktien derjenigen Unternehmen, die schlichtweg als Zombie unterwegs sind.

Sobald wir mal fallende Kurse sehen, kehrt sich dieser Mechanismus um. Die Anlegenden werden panisch verkaufen. Alle Kurse rauschen in den Keller (klar, weil durch den ETF wird ja auch immer alles verkauft), auch die qualitativ guten Unternehmen. Auch jetzt verstärkt der Trend den Trend. ETFs hebeln wichtige Machtmechanismen aus. Dabei sind funktionierende Märkte, die auch ein gewisses Maß an Volatilität zulassen, unerlässlich für eine angenehme Finanzmarktstabilität. Mit ETFs unterdrücken wir sehr viel Volatilität, was sich irgendwann als „black swan“ entladen könnte.