Diese Aktien haben von der Coronakrise profitiert

Am 19.02.2020 erreicht der deutsche Leitindex DAX bei 13.789 Punkten sein bisheriges Rekordhoch. Nur knapp einen Monat später, schloss er am 18.03.2020 bei 8.441 Punkten. Seither erholen sich die Kurse allmählich. Bis Freitag, 24.04.2020 konnte sich der Index auf 10.336 Punkte retten. Unterm Strich steht noch immer ein fettes Minus. Auf Sicht von 12 Monaten schlägt beim DAX ein Minus von 15,85% zu buche. Die folgenden Unternehmen hingegen konnten von der Corona-Pandemie profitieren.

ASML Holding N.V. mit Sitz in Veldhoven (Niederlande). ASML ist ein führender Hersteller von Lithografie- und Metrologie-Systemen inklusive der dazugehörigen Software für die Halbleiterindustrie. Die Kundenbasis umfasst alle weltweit führenden Chiphersteller wie Intel, Samsung, TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) oder GlobalFoundries. Neben der Hard- und Software stellt das Unternehmen eine breite Palette an begleitenden Dienstleistungen bereit. Die Aktie, die übrigens zum Eurostoxx50 gehört, notiert auf Sicht von 12 Monaten bei +43,88%, in den letzten 4 Wochen konnte sie hiervon +8,9% zulegen.

HelloFresh SE mit Sitz in Berlin ist der weltweit führende Anbieter von Kochboxen. Diese werden zu einem günstigen Zeitpunkt direkt an die Kunden geliefert und enthalten fast alles, was benötigt wird, um frische und gesunde Mahlzeiten aus lokalen Zutaten zuzubereiten. Der Konzern ist in den USA, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Neuseeland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Kanada tätig. Im 3-Monatszeitraum vom 1. Januar 2019 bis zum 31. März 2019 hat HelloFresh ca. 65,6 Millionen Mahlzeiten an rund 2,48 Millionen aktive Kunden ausgeliefert. Die Aktie in den letzten 12 Monaten: +276,79%; davon im ersten Quartal 2020: +44,58%. Dagegen sieht die Aktie von Delivery Hero SE regelrecht alt aus, wobei auch sie recht gut gestiegen ist.

Shop Apotheke Europe N.V. Dieser kleine SDAX Wert aus Venlo konnte sich in den letzten 12 Monaten glatt verdoppeln. Aktuell betreibt die Shop Apotheke Europe N.V. Online-Apotheken in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Das breite Sortiment von über 100.000 Originalprodukten wird an über 3,8 Millionen aktive Kunden geliefert. Die Aktie stieg in den letzten 4 Wochen um 33,53%.

Roche Holding AG. Die Aktie von Roche hat zwar beim Crash etwas nachgegeben, steht aber heute schon wieder höher, wie im Februar. Auf Jahressicht steht ein Plus von 31,36%. Die Roche AG mit Hauptsitz in Basel ist mit umgerechnet knapp 64 Mrd. US Dollar Umsatz das grösste Pharmaunternehmen der Welt, gefolgt von Pfizer und Novartis.

Amazon.com Inc. Seit Mitte 2018 lief die Aktie von Amazon im Wesentlichen nur noch zur Seite. Selbst im guten Börsenjahr 2019 konnte sie nicht wirklich zulegen. Erst in 2020 mit der Corona-Pandemie konnte die Aktie ihren Weg nach oben finden: 32,11% Kursgewinn im ersten Quartal 2020 kann sich sehen lassen. Die 1994 gegründete Amazon.com Inc. mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist einer der weltweit führenden Online-Versandhändler und beschäftigt weltweit rund 800.000 Mitarbeitende.

Zoom Video Communications Inc. Egal ob digitaler Elternabend, Teambesprechung oder die Sitzung des Kirchengemeinderates: Zoom ist in aller Munde. Zoom ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen mit Sitz in San José, das Software für Videokonferenzen anbietet. Während der COVID-19-Pandemie stieg die Nutzerzahl von 10 Millionen im Dezember 2019 auf über 200 Millionen monatliche Nutzer im März 2020. Der Aktienkurs legte im ersten Quartal 2020 um sagenhafte 117% zu. Eingesetzt wurde der Dienst nicht nur von Unternehmen, sondern auch von Schulen und Universitäten für den Online-Unterricht sowie im privaten Bereich.

Diese Aktienauswahl ist nicht vollständig. Sicher haben auch noch weitere Unternehmen von der Coronakrise profitiert. Dieses Blog gibt keine Empfehlungen zu Wertpapieren ab; so auch bei den genannten Aktien nicht. Nach der Krise wird vieles nicht mehr so sein, wie es vorher war. Wir sehen viele Veränderungen. Vieles was vorher „undenkbar“ war, geht jetzt auf einmal. Erst Handlungsdruck führt zu einer Verhaltensänderung. Wir werden in der Wirtschaft einen Wandel und eine Bereinigung sehen. Mal schauen welche Player in der neuen Zeitrechnung das Sagen haben.

Totengräber der Aktienkultur und keinerlei Ahnung von der Materie

0,2 Prozent will die Regierung als Aktiensteuer einnehmen, wenn ein Unternehmen einen Börsenwert von mindestens 1 Milliarde Euro hat. Hochfrequenzhändler und Derivate sind davon befreit. Diese neue Steuer trifft mal wieder die Falschen.

Finanzminister Olaf Scholz reagierte neulich im Deutschlandfunk sehr entlarvend. Er wurde gefragt, ob seine neue Steuer vor allem Kleinsparende treffen würde. Der Minister meint dann, die Steuer würde nicht hauptsächlich von privaten Kleinsparenden bezahlt, sondern von großen Investmentfonds, denn die seien es, die das größte Volumen am Markt ausmachten. Der DLF-Moderator lies das einfach so stehen. Dabei ist es fachlich, praktischer Quatsch, was der Minister da sagte.

Investmentfonds sind ja keine abstrakten Firmen, sondern Kapitalsammelbecken für das Sparguthaben von Kleinsparenden. Fonds wurden erfunden, damit „normale Menschen“ mit kleinen Beträgen und breit gestreut in den Markt investieren können. Mit Fonds können Sparende mit kleinen monatlichen Beiträgen fürs Alter vorsorgen. Auch die so sehr beliebten ETFs sind Investmentfonds (das F in ETF steht für Fonds). Die neue Steuer geht also fast immer zu Lasten der Kleinsparenden.

Olaf Scholz sagte in einem Interview mit der BILD: „Ich lege mein Geld nur auf einem Sparbuch, also sogar auf dem Girokonto an und da kriege ich, wie bei allen anderen, keine Zinsen. Ich mache das, was einem kein Anlageberater empfiehlt.“ Der Finanzminister hat also weder Aktien noch Fonds. Dabei wäre es doch gerade in seiner Verantwortung die Beteiligungskultur in diesem Land zu stärken. „Anlegen statt stilllegen – beteiligen statt spekulieren“, das ist es, was ich bei einem Finanzminister auf dem Wahlplakat stehen will.

Nach der vielen Kritik liegt nun wohl ein Kompromissvorschlag des Ministers auf dem Tisch. Scheinbar soll der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro um 50 Euro auf 851 Euro steigen. Zusätzlich soll es einen neuen Altersvorsorgepauschbetrag in Höhe von 30 Euro für Singles und 60 Euro für Paare pro Jahr geben. Ganz ehrlich: Das sind Almosen und löst das Problem nicht. Wie es aussieht, findet die Merkelregierung auch keine EU-Mehrheit für ihren perfiden Plan.

Das Bruttoinlandprodukt sämtlicher Länder der Erde erreicht nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ rund 63 Billionen Dollar. Der weltweite Umsatz mit Derivaten ist etwa zehnmal so groß. Der Nutzen für die Realwirtschaft darf stark bezweifelt werden. Warren Buffett bezeichnete die Derivate-Instrumente der Finanzindustrie als Massenvernichtungswaffen. Und genau diese Derivate will Olaf Scholz nicht besteuern. Vielleicht hat er es fachlich noch nicht begriffen?