Zinsen: Die freiwillige Enteignung

Die Deutschen bunkern rund 1,5 Billionen Euro auf Konten ohne Zinsen. Manche schimpfen, andere haben resigniert. Diese kollektive Opferhaltung birgt eine unbequeme Wahrheit: Die Enteignung findet freiwillig statt.

Staaten haben Schulden und Bürger haben Guthaben. Das Guthaben des einen ist immer auch die Schuld eines anderen. Staatspolitisches Ziel ist somit immer, die Guthaben mit den Schulden zu verrechnen. Dies geht über Steuern, Enteignung, Krieg oder Inflation. Noch wird die Substanz von Vermögen nicht wirklich besteuert (nur die Erträge daraus). Auch Enteignungen gehören noch ins Reich neulinker Spinnerei. Daher soll es über Inflation gemacht werden. Das von der EZB ausgerufene Ziel: Nahe aber unter zwei Prozent Geldentwertung pro Jahr. Somit schrumpft die Kaufkraft von Guthaben, aber auch die von Schulden. Bei Nullzins und beispielsweise 1,5% Inflation, verlieren Sparer jährlich 1,5% – in zehn Jahren sind das immerhin 15%. Das kann man Enteignung nennen. Politiker würden es stolz Schuldenkonsolidierung nennen und auf Plakate schreiben. Banker nennen es Realzinsfalle. Auf ein oder zwei Jahre lässt sich ein negativer Realzins (Guthabenszins minus Inflation) noch aushalten, aber bei langfristigen Anlagen (Altersvorsorge) tut das richtig weh.

Aber das ganze findet ja freiwillig statt. Niemand muss sein Geld zinslos parken. Niemand muss zwanghaft sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen lassen. Wir müssen das nicht tun! Trotzdem tun wirs und die Gründe sind wie immer vielfältig. Bei manchen ist es Faulheit, bei anderen Unwissenheit und bei manchen womöglich eine besondere Form von Opferkult. Schließlich muss man ja was haben, um sich aufzuregen. EZB als Feinbild. Da kann man wenigstens mitreden und im bundesweiten Jammer-Chor mitsingen. Was auch immer die individuellen Gründe fürs Nichtstun sind, schlussendlich findet alles freiwillig statt. Niemand muss sich enteignen lassen. Kann es sein, dass es dauerempörte Wutbürger sogar befriedigend finden, sich ständig (in einer Opferrolle) aufzuregen?

Na gut, was kann man denn tun? Das ist kein Geheimnis. Das geht für die meisten Menschen allerdings nicht per „Check24“. Für eine breit gestreute Anlagestrategie sollte man sich schon mal ne Stunde Zeit nehmen. Einem guten Immobilienfonds darf man langfristig rund 2% per Anno zutrauen. Von einem global gestreuten Anleihenkorb kann man 0,5% bis 1% erwarten, wenn man bereit ist gewisse Schwankungen zu akzeptieren. Und dann sind da noch Unternehmensbeteiligungen. Bei Aktien wird es immer wieder zu Schwankungen kommen, doch langfristig sollten 5% pro Jahr drin sein. Zur Beimischung taugen noch Rohstoffe (Gold, Silber, Energie) und spezielle Derivate zur Absicherung. Jegliche Kursschwankung (egal bei welcher Assetklasse) kann durch monatlichen Einstieg („Sparplan“) abgemildert werden. Auch können Zertifikate auf einen Aktienindex zum Einsatz kommen, die einen Puffer haben und somit eine auskömmliche Seitwärtsrendite bringen dürften.

Was auch immer Anleger tun, Nullzins muss nicht sein. Allerdings muss man sich mit dem Thema beschäftigen und (neben dem Anlagebetrag) wirklich mal 1-2 Stunden investieren. Einen risikolosen Zins, quasi als „bedingungsloses Grundeinkommen für Reiche“ muss es nicht geben, gibt es nicht und wird es die nächsten Jahre auch nicht mehr geben. Aber über was soll man sich denn dann aufregen, wenn man auf einmal wieder Renditen hat? Da fällt der Empörungsindustrie sicher was ein. Irgendwas ist immer.

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Wie hoch darf die Aktienquote sein?

Diese Gretchenfrage ist nicht leicht zu beantworten. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen. Als Anleger investiert man in das Eigenkapital von Unternehmen und hat somit einen Anspruch auf Teilhabe am Gewinn (Dividende) und profitiert davon, wenn das Unternehmen wertvoller wird (Kurssteigerung). Weil die Kurse (Preise) von Aktien gewissen Schwankungen unterliegen, sollte die Aktienquote intelligent gewählt werden.

Bei einem 20 Jährigen, der monatlich zur Altersvorsorge sparen möchte, ist jede Aktienquote unter 100% eine Falschberatung. Aber nun sind wir nicht alle 20 (leider) und nicht alle von uns haben einen Anlagehorizont, der über Jahrzehnte reicht. Daher benötigen wir einen breit gefächerten Anlagemix. Die Aktie als Renditebringer (…und Risikobringer) darf natürlich nicht fehlen. Helfen kann eine einfache Berechnung.

Nehmen wir einen Anleger mit einem kleineren höheren Vermögen von 150.000 €. In den nächsten 12-60 Monaten will er eine Weltreise machen, plant Investitionen ins Eigenheim und kauft ein neues Auto. Dieses „kurzfristig verplante Geld“ hat in Wertpapieren nichts zu suchen! Nehmen wir an, dass er 100.000 € in den nächsten 5 plus X Jahren nicht geplant ausgeben will. Er entscheidet sich für ein Depot, bestehend aus drei Anlageklassen. mit folgender Aufteilung:

  • 50.000 € in globale Anleihen (invest. Grade). Ertragserwartung: 750 € pro Jahr. Risiko: Eher gemäßigt.
  • 25.000 € in Sachwerte wie Immobilien (über Fonds) und auch Rohstoffe (Gold, Energie usw…). Ertrag pro Jahr: 500 € pro Jahr. Auch hier mit eher gemäßigtem Risiko. Dieses Asset bringt eine gewisse Unabhängigkeit von den anderen Assets („negative Korrelation“).
  • 25.000 € in dividendenstarke globale Aktien. Ertragserwartung: Irgendwas zwischen minus 3.750 € und plus 5.000 € pro Jahr.

Wir addieren: 1.250 € Ertrag kommen relativ sicher. Fallen die Aktienmärkte um 15% („worst case“), dann verliert unser Anleger auf Jahressicht 2.500 € bzw. 2,5% vom Depotwert. In einem sehr guten Jahr (Aktien plus 20%), würde das Depot um 6.250 € bzw. 6,25% wachsen. Wenn unser Anleger also eine Risikobereitschaft von 2,5% mitbringt, dann wird er sich mit 25% Aktien gut wohl fühlen. Sein Depot wird sich langfristig im Korridor -2,5% bis +6,25% aufhalten, wobei Extremereignisse auch temporär zu anderen Werten führen könnten. Daher sollten weitere Portfoliobausteine hinzu kommen, die hier zur Vereinfachung weggelassen wurden.