Deshalb sind Banken quasi immer pleite

Viele Menschen glauben, Banken könnten eine Durststrecke ganz gut überstehen, denn sie hätten jahrzehntelang gut verdient. „Es müsste doch Rücklagen aus besseren Zeiten geben“, denkt der Volksmund. Diese Sichtweise ist populistisch, vereinfacht und grundlegend falsch.

Seit März beschäftigt uns nun schon die Corona-Krise. Werden diese paar Monate Krise unsere Banken aus der Bahn werfen? Und das nach 10 Jahren Aufschwung in der Volkswirtschaft und an den Börsen? Ja, sie werden, denn Banken sind quasi immer chronisch pleite. Profis wird das langweilen, aber wer das Märchen aus dem ersten Absatz ebenfalls glaubt, der sollte jetzt weiterlesen.

Banken haben (vereinfacht gesagt) Eigen- und Fremdkapital. Das Fremdkapital sind Kredite an Privat- und Firmenkunden. Das Eigenkapital wächst durch den Jahresüberschuss und schrumpft, wenn die Kreditausfälle die eingenommenen Kreditzinsen übersteigen. Eine Bank geht im Kreditgeschäft ein asymmetrisches Risiko ein: Sie kann alles verlieren, aber maximal nur die Marge aus dem Kreditzins verdienen. Ausfälle gehen zu Lasten des Eigenkapitals, Gewinne erhöhen es.

Banken haben noch weitere Einnahmen, die den Jahresüberschuss und somit schlussendlich auch das Eigenkapital erhöhen. Da war einmal (manche erinnern sich vielleicht) eine Marge im Passivgeschäft (Spareinlagen). Inzwischen gibt es noch Provisionseinnahmen aus Wertpapieren, Versicherungen oder Zahlungsverkehr. Die Provisionseinnahmen wurden mit Wegfall der Passivmarge enorm wichtig. Inzwischen legen Banken sogar drauf, wenn sie Einlagen annehmen und den Negativzins nicht weitergeben. Dies erhöht den Druck noch weiter; vor allem auf der Gebührenseite.

Damit eine Bank Kredite vergeben kann, benötigt sie Eigenkapital. Will eine Bank mehr Kredite vergeben, dann benötigt sie auch mehr Eigenkapital (das Verhältnis sollte zirka 90 zu 10 sein). Um mehr Eigenkapital zu bekommen, braucht sie einen Jahresüberschuss. Nun ist das Kreditvolumen in den letzten 10-20 Jahren stark gestiegen. Man überlege sich nur mal, was eine Immobilie damals im Vergleich zu heute kostet. Auch sind viele Firmenkunden, so wie die gesamte Wirtschaft, gewachsen und brauchen somit mehr Kredite für Investitionen.

Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital blieb immer gleich. Bei manchen Banken wuchsen die Ausleihungen sogar stärker im Vergleich zum Eigenkapital. Droht nun ein Kredit faul zu werden, dann muss er abgeschrieben (wertberichtigt) werden. Dies geht alles zu Lasten des Eigenkapitals. Drohen großflächige Ausfälle, dann kann so ein Eigenkapital empfindlich klein werden. Die Bank geriet dann in Schieflage – auch wenn sie jahrzehntelang einen Jahresüberschuss hatte.

Wächst das Kreditvolumen unserer Volkswirtschaft nur um ca. 3% pro Jahr, dann müssen Banken ihr Eigenkapital aus dem Profit um ebenfalls 3% erhöhen, sonst könnten sie die nachgefragten Kredite nicht mehr vergeben. Deshalb brauchen Banken einen Gewinn, sonst wächst der Markt an ihnen vorbei. Daher sind Banken quasi immer pleite – es gibt keine Rücklagen aus besseren Zeiten. Abhilfe schaffen sich die meisten durch eine gute Risikostrategie und umsichtige Kreditvergabe sowie ein starkes Provisionsgeschäft.

Fazit: Ja viele Banken konnten in den „goldenen Zeiten“ ihr Eigenkapital erhöhen. Die Ausleihungen wuchsen aber ebenso. Wollen Banken auch weiterhin ihre Kreditvergabe ausweiten, dann müssen sie Gewinne machen und ihr Eigenkapital fortlaufend erhöhen. Systemische Risiken (sog. „externer Schock), die mehrere Kreditnehmer betreffen, sorgen für großflächige Kreditausfällen, was das Eigenkapital abfedern muss. Wird es zu klein, dann muss die Bank ihr Eigenkapital woanders besorgen (z.B. beim Steuerzahler).

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Im Test: S-Invest-App für Depots

Die Sparkassen vermitteln manchmal das Gefühl, sie seien in den 90er Jahren stehen geblieben: Verstaubte Filialen mit Luftballons und Prospekten, Personal mit C&A Krawatte und man hört immer irgendwo Kleingeld rattern. Doch die neue S-Invest App überrascht positiv. Hier hat die hauseigene IT mal wieder bewiesen, dass sie es doch kann.

Seit 22.04.2020 ist die neue App für iOS und Android verfügbar. In der App kann man beliebig viele Depots verwalten. Ob diese bei der Sparkasse, bei der Deka oder bei einer ganz anderen Bank sind, spielt keine Rolle. In der jetzigen Version fehlen noch einige Schnittstellen (z.B. zum Orderbuch). Doch auf Nachfrage sagt man mir, dies käme mit dem nächsten Update. Das hinzufügen von Depots geht kinderleicht. Die S-Invest-App ist tief in die normale Sparkassen-App integriert. Hat man die SparkassenApp mit Touch- oder FaceID in Betrieb, dann dauert es keine 2 Minuten, Depots bei Sparkasse und Deka sollten hiermit „automatisch“ hinzugefügt“ werden. Andere Depots (bevestor, sBroker, comdirekt etc.) fügt man dann manuell hinzu.

Der Vorteil ist, dass man alle Depots in einer App überblicken kann. Man sieht auf den ersten Blick das Gesamtvermögen und dessen Veränderung. Auch sollten Aufträge viel leichter erteilt werden können. Man könnte jetzt einwerfen, dass „doch eh niemand mehr als 1 Depot hat“. Doch! Viele Anleger haben mehrere Depots; eines für Fonds, eines für andere Wertpapiere, eins bei der Hausbank, eines bei einer Direktbank, eines oder mehrere bei einem Roboadvisor und vielleicht noch eines für die Altersvorsorge. Und nicht zu vergessen: Wer Kinder hat, kann auch deren Depots in der App verwalten.

Eines fehlt mir in der App: Ich würde gerne meine Depots analysieren. Schön wäre es, wenn man jedes Wertpapier einer Anlageklasse zuordnen könnte, sodass ich, unter Einbeziehung aller Depots, meine Assetallocation sehen kann. Dann könnten Anleger auf einen Blick erkennen, ob Ihre Aktienquote beispielsweise 30% oder 50% beträgt. Auch wäre es praktisch, wenn man Sparpläne sehen und verwalten könnte. Alles in allem aber eine sehr gelungene App, die aber sicherlich noch ausgebaut werden kann.

In Deutschland gibt es noch immer mehr Bankfilialen, als Apotheken

Die Gesamtzahl öffentlicher Apotheken in Deutschland liegt aktuell bei knapp unter 20.000. Dagegen gibt es bundesweit noch immer über 30.000 Bankfilialen. Zum Vergleich: Es gibt weltweit rund 37.000 McDonalds Restaurants.

Die klassische Bankfiliale, wie man sie von früher kennt, gibt es nur noch selten. Selbst die Regionalbanken sind längst nicht mehr in jedem Dorf vertreten. Mit 30.000 Standorten sind die Banken aber noch immer recht breit in der Fläche vertreten. Vergleich: Es gibt bundesweit rund 40.000 Verkaufsstellen für Bäckereiprodukte. Metzgereien kommen auf rund 20.000 Verkaufsstellen. Bäcker und Metzger können ihr Geschäft nur bedingt (oder gar nicht) auf das Internet verlagern. Banken hingegen können das sehr gut. Trotzdem findet man einen Banker leichter, als eine Apotheke oder eine Mettwurst.

Der durchschnittliche Bankkunde besucht seine Filiale rund ein Mal pro Jahr. Er verfügt im Schnitt 4 mal pro Monat per Geldautomat über Bargeld. Die deutschen Bankkunden checken täglich Ihre Kontostände oder Umsätze im Internet oder per App. Von 351 Kontakten findet also (im Schnitt!) nur einer stationär statt. Aber eben genau dieser eine Kontakt hat es in sich. Meist handelt es sich hierbei um ein größeres Beratungsgespräch (Baufinanzierung, Versicherungen, Wertpapiere und so weiter), denn einfache Services werden durch die Online-Kontakte bedient. Die Banken sind also gut beraten, in diesen einen Kontakt eine hohe Qualität zu investieren.

Bleiben wir gedanklich bei dem „einen Kontakt“. Für eine Beratung zu einer Baufinanzierung oder zum Depot-Jahresgespräch ist es den Kunden durchaus zumutbar, in die nächst größere Stadt zu fahren. In Sonderfällen kommen die mobilen Berater auch zum Kunden nach Hause. Für eine Facharztuntersuchung, einen Autokauf, oder sogar Möbelkauf fahren die Kunden auch diese Strecken. Dies sind Dinge, die kann man (leider) nicht in jedem Dorf erwarten. Zudem bauen die Banken (nicht alle…) Ihre digitale Infrastruktur immer weiter aus.

Künftig wird es womöglich viel weniger Bankfilialen in Deutschland geben. Dagegen könnte es größere (und bessere) zentrale Standorte geben, an denen Spezialisten sitzen. Einfachere Beratungen werden online, per Videochat oder ganz altmodisch am Telefon, gemacht werden. Auch die Bargeldversorgung wird eine kleinere Rolle einnehmen. Inzwischen kann man überall mit Karte oder Handy bezahlen. Und wenn man Bargeld möchte, dann bekommt man das auch bei Rewe, DM und anderen Händlern. Wenn also die Medien bald wieder von „Filialschließungen“ berichten, dann wird das keine Überraschung sein.