Die meist gehasste Börsenrally aller Zeiten

 Der Dax legte in der vergangenen Woche insgesamt mehr als neun Prozent zu. Das ist einer der größten Wochengewinne der Geschichte. Dabei näherte er sich seinem Rekordhoch von 13.795,24 Punkten bis auf gut 1.000 Zähler an, nachdem er im März zeitweise auf rund 8200 Stellen gefallen war. Dirk Müller sagte noch im Mai im Focus: „Dieser Crash ist ,The Big One“. Seither sind die Kurse fast nur gestiegen.

Profis hassen diese Rally! So hörte man im März doch überall noch Warnungen, die Welt ginge unter. Vielerorts wurde ins Negative übertrieben: Bei Panikverkäufen ebenso, wie beim Lockdown des öffentlichen Lebens. „Die Angst etwas zu versäumen“ hat nun die Aktienkurse dramatisch nach oben getrieben. Wegen der billionenschweren Hilfspakete von Notenbanken und Regierungen setzen Investoren auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft. Es wird zu einer großen Umverteilung kommen, die Kapital von den Menschen hin zur Wirtschaft bewegt. Das spüren die Steuerzahlenden noch nicht mit neuen Belastungen, aber so krass, wie sich der Staat (und die EU) aktuell verschuldet, ist das nur eine Frage der Zeit. Das größte Risiko für den Aktienmarkt geht von einer zweiten Infektionswelle aus. Wenn man den DAX aktuell sieht, und die Großwetterlage dazu einschätzt, dann muss man sich bei diesen Gaga-Kursen schon die Augen reiben – es handelt sich eben um die meist gehasste Rally aller Zeiten. Vielleicht deshalb, weil viele nicht daran partizipieren?

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Mitten in der Coronakrise: US-Börse mit größtem Monatsgewinn seit 1987

Gestern, am letzten Handelstag im April, tendieren die weltweiten Börsen zwar abwärts. Das ändert aber kaum etwas daran, dass sie den April als einen der stärksten Monate seit Langem beenden – und das mitten in der weltweiten Corona-Krise.

Viele Anleger haben im April ihre Quartalsberichte (per 31.03.2020) bekommen und waren zunächst geschockt. Beim aktuelleren Blick im Onlinebanking sahen sie dann aber einen höheren Wert. Was war passiert? Die Börse hat im April haussiert, obwohl die Coronakrise erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten wird. Obwohl es am Donnerstag zu großflächigen Gewinnmitnahmen kam, beendete der Dax den April immerhin mit einem Plus von ungefähr 9 Prozent. Dies ist auch als Gegenbewegung zum 40%-Einbruch im März zu verstehen. Dort hatten wohl viele Anleger und Investoren schlicht übertrieben und sich von Panik und Populismus leiten lassen.

In den USA sind mehr als 30 Millionen Menschen arbeitslos. Trotzdem performte die US-Börse im April so gut wie seit 1987 nicht mehr in einem einzigen Monat. Sogenannte Experten und Analysten führen dies auch auf die hohen Mengen an Liquidität durch die Notenbanken zurück. Zwar hat diese Woche weder die FED noch die EZB ihre Zinsen gesenkt, aber beide machten klar, dass sie bereit stünden, wenn es notwendig wird. In den nächsten Wochen und Monaten dürfte die Volatilität an den Märkten weiter hoch bleiben. Auch erneute Einbrüche sind mehr als denkbar. Dennoch muss man begreifen, dass an der Börse nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft gehandelt wird. Die Börse setzt nicht auf die Krise – sie setzt auf deren Ende.

„Langfristig bietet sich jetzt, vor allem für junge Sparer, eine einmalige Chance, endlich mal günstig in den Markt zu kommen“, schrieb ich am 05.04., was sich bisher bestätigt.

Der DAX ist nicht mehr zeitgemäß

Wir schielen alle immer nur auf den DAX. Er soll das Barometer sein, das den Herzschlag der deutschen Wirtschaft misst. Aber das tut es nicht. Der DAX misst nicht mal richtig die Aktienkurse.

„DAX mit Rekordhoch“, las man neulich überall. Aber es war kein Rekordhoch, denn die Aktienkurse der meisten DAX-Aktien sind ungefähr auf dem Niveau von vor 20 Jahren. Trotzdem steht der Index auf einer Rekordmarke, weil in seine Berechnung auch die Dividendenausschüttungen einberechnet werden. Die Aktienkurse könnten also auch gleich bleiben, alleine durch die Dividende würde der DAX steigen. Der DAX taugt somit nichts als Preisindikator. Er lässt Aktien optisch teuer wirken, obwohl sie vielleicht sogar günstig sind.

Zudem ist der DAX viel zu klein. Mit 30 Einzeltiteln vertritt er nur die „Spitze des Eisberges“. Sieht man sich zusätzlich den MDAX an, der die nächsten 50 deutschen Aktien enthält, dann sieht die Sache schon besser aus. DAX und MDAX starteten bei Einführung beide bei 1.000 Punkten. Der DAX steht nun über 13.000 und der MDAX bei über 28.000 Punkten. Wer nur auf den DAX schaut, schaut langfristig an der Rendite vorbei.

Was ist zu tun? DAX und MDAX sollten zusammen gelegt werden. So ergibt sich ein neuer Leitindex, bestehend aus 80 Einzelaktien, der einen Großteil des deutschen Aktienmarktes repräsentiert. Natürlich sollte dies dann ein reiner Kursindex sein, der Dividenden nicht berücksichtigt. Der Indexbetreiber könnte beide Indizes (neuer DAX und alter DAX) parallel anbieten. Der Markt entscheidet dann (über Kauf von Derivaten und ETFS), welche Variante die attraktivere ist.

Der nächste Crash könnte durch ETFs ausgelöst werden

ETFs sind sehr beliebt. Verbraucher*innen kaufen sie gerne, weil sie sich irgendwie anständig, laktosefrei und vegan anhören. In Wahrheit könnten ETFs aber toxische Finanzprodukte sein, die einen möglichen Crash nicht nur verstärken, sondern auch auslösen.

Stellen Sie sich einen Finanzmarkt vor, auf dem jeder Marktteilnehmer nur ETFs hat. Alle Preise würden, je nach Indexgewichtung, immer zusammen steigen und zusammen fallen, denn eine Einzeltitelselektion fände nicht statt. Die Kurse steigen, gierige Hippster steigen ein. Hierdurch steigen die Kurse noch weiter und noch mehr gierige Hippster steigen ein. Der Trend nährt den Trend. Die Aktien steigen nicht, weil die Unternehmen gesunde und nachhaltige Gewinne machen. Die Aktienkurse steigen, weil sie steigen. Durch den Kauf eines gesamten Index, steigen auch Aktien derjenigen Unternehmen, die schlichtweg als Zombie unterwegs sind.

Sobald wir mal fallende Kurse sehen, kehrt sich dieser Mechanismus um. Die Anlegenden werden panisch verkaufen. Alle Kurse rauschen in den Keller (klar, weil durch den ETF wird ja auch immer alles verkauft), auch die qualitativ guten Unternehmen. Auch jetzt verstärkt der Trend den Trend. ETFs hebeln wichtige Machtmechanismen aus. Dabei sind funktionierende Märkte, die auch ein gewisses Maß an Volatilität zulassen, unerlässlich für eine angenehme Finanzmarktstabilität. Mit ETFs unterdrücken wir sehr viel Volatilität, was sich irgendwann als „black swan“ entladen könnte.