Komplexe Finanzprodukte: Diese Fragen sollte sich jeder vor dem ersten ETF-Kauf stellen

Die Werbung erzählt uns immer wieder, börsengehandelte Fonds (sog. ETFs), seien sehr einfache Anlageprodukte, die jedermann einfach so kaufen kann. Scheinbar kann man damit fast nichts falsch machen. Ein Irrtum.

  1. Wie hätten Sie denn Ihren ETF gerne? Synthetisch oder voll replizierend? Ist er synthetisch, dann sollten Sie wissen was ein Swap ist und ob es ein Kontrahentenrisiko gibt. Können Sie damit leben, nicht die Aktien zu besitzen, die Sie denken zu besitzen?
  2. Soll der ETF seine Erträge ausschütten oder thesaurieren? Wenn er ausschüttet: Wollen Sie für den Betrag neue Anteile, oder lieber das Geld aufs Konto? Bei thesaurierenden Fonds sollten Sie noch angeben, wo die Bank die sog. Vorabpauschale abbuchen darf. Glückwunsch, denn dann bezahlen Sie Steuern, auf Erträge, die Sie noch nicht haben.
  3. Soll Ihr internationaler ETF Fremdwährungen zum Euro hin absichern oder wollen Sie bewusst mit anderen Währungen spekulieren und hoffen, dass der Euro langfristig stark bleibt? Wieviel Fremdwährungsrisiko vertragen Sie?
  4. Welche Gebühren fallen an? Ein ETF hat Kosten, aber auch die Bank will bei jeder Transaktion etwas verdienen. Während Sie klassische Fonds meist kostenfrei zurückgeben können (= Geld raus), kommen bei ETFs bei jeder Transaktion (= Geld rein oder raus) Kosten auf Sie zu.
  5. Verleiht Ihr ETF Wertpapiere? Praktisch alle Gesellschaften behalten sich die Möglichkeit vor, die Wertpapiere im Besitz des Fonds zu verleihen. Die Leihenden können zum Beispiel Leerverkäufer sein. Sollte der Ausleihende zahlungsunfähig werden, erhält der ETF die Papiere womöglich nicht zurück.
  6. Was passt zu Ihnen? Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Immobilien, Rohstoffe oder doch lieber eine Mischung? Wenn Sie eine Mischung wollen, wie sind die Quoten? In welche Länder und in welche Branchen soll investiert werden? Soll z.B. Japan wirklich höher gewichtet sein, als Deutschland? Wenn ja, dann kaufen Sie womöglich einen ETF auf den MSCI World. Wenn nein, dann suchen Sie weiter.

ETFs sind komplexe Finanzprodukte und keinesfalls für unerfahrene Anleger geeignet. ETFs ersetzen weder Kenntnisse noch Erfahrungen oder eine qualifizierte Beratung. Das ist nichts, was man „mal schnell am Handy macht“. Insbesondere bei ETF-Sparplänen sollte man sich eine funktionierende Strategie überlegen, denn diese Produkte sollten die Anleger ein Leben lang begleiten. Viele ETFs sind sinnvoll, qualitativ und können für ausgesuchte Anleger geeignet sein. Aber nur weil ETFs gerade modern sind, sind sie nicht automatisch für jeden geeignet.

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Xetra-Gold und Co: Merkelregierung will Goldanleger mit Abgeltungsteuer belasten

Die Politik sucht und findet immer wieder neue Wege, um an das Geld seiner Steuerzahler zu kommen. Laut eines am 17.06.2020 veröffentlichten Entwurfs zum Jahressteuergesetzes 2020, soll es ab 2021 den Goldanlegern an den Kragen gehen.

Die Bundesregierung plant eine zusätzliche Belastung für Privatanleger, die ihr Geld in auf Edelmetallen basierten Wertpapieren anlegen. Betroffen wäre etwa die von einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und Banken emittierte Schuldverschreibung Xetra-Gold, die den Anspruch der Anleger auf jederzeitige Lieferung von Goldbarren verbrieft und bisher als abgeltungsteuerfrei beworben wird.

Nach einigen Jahren widersprüchlicher Gerichtsurteile entschied der Bundesfinanzhof im Oktober 2015 (Az.: VIII R 4/15 und VIII R 35/14), dass Xetra-Goldanleihen einen börsengehandelten Rohstoff darstellen. Sie werden damit in steuerlicher Hinsicht genauso wie Münzen und Barren aus physischem Gold eingestuft. Damit unterliegen Veräußerungsgewinne nicht der Kapitalertragssteuer. Kursgewinne, die innerhalb der zwölfmonatigen Spekulationsfrist realisiert werden, unterliegen aber dem persönlichen Steuersatz.

Der Goldbestand der börsengehandelten Inhaberschuldverschreibung Xetra-Gold ist eigenen Angaben zufolge zum 30. Juni auf einen neuen Rekord von 221,7 Tonnen angestiegen. Das ist ein Plus von 18,5 Tonnen seit Jahresbeginn. Xetra-Gold ist natürlich nicht der einzige börsengehandelte Rohstoff, aber wahrscheinlich der bekannteste. Der Vorteil für Anleger liegt darin, dass sie relativ günstig in Gold investieren können. Im direkten Vergleich zu Münzen und Barren kauft man über die Schuldverschreibung meist zu besseren Preisen, muss aber darauf vertrauen, dass das mit der physischen Lieferung klappt.

Allein in Xetra-Gold stecken umgerechnet 11,3 Milliarden Euro. Die Höhe des gesamten Marktes für börsengehandelte Rohstoffe (auch: Silber, Platin, Palladium) ist mir nicht bekannt. Künftig will sich der Fiskus die Abgeltungsteuer, die Kirchensteuer und den Soli von den Kursgewinnen krallen – in Summe sind das rund 27%. So verdient der Staat künftig mit, wenn zum Beispiel der Euro zerbricht und Gold wertvoller wird. Die Neuregelung dürfte eine Flucht in Münzen und Barren auslösen. Was wird sich der Staat dann einfallen lassen, um die Sparer zu enteignen?

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Wenn Wirecard aus dem DAX fliegt, könnte schon wieder ein Immobilienkonzern nachrücken

Dass die Lufthansa aus dem DAX fliegt und durch die Deutsche Wohnen ersetzt wird, gilt als ausgemacht. Nun gab es diese Woche ein Blutbad bei Wirecard. Wenn der gebeutelte Konzern die erste Börsenliga verlassen muss, dann könnte nach Vonovia und der Deutschen Wohnen ein weiterer Immobilienkonzern in den DAX nachrücken.

Erst vor kurzem sicherte sich der MDAX-Konzern, Aroundtown SA, rund 78 Prozent an dem kleineren Konkurrenten TLG. Durch den Zusammenschluss werden die Luxemburger europaweit zum größten Anbieter von Bürohäusern. Gemessen an der Bilanzsumme entstand so der drittgrößte Immobilienkonzern Europas. Aroundtown verdient sein Geld zwar hauptsächlich mit Gewerbeimmobilien, ist aber auch mit 39 Prozent am Wohnimmobilienunternehmen Grand City Properties beteiligt, das zuletzt rund 76.000 Wohnungen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Berlin hatte. Das Unternehmen ist bisher kaum bekannt, außer vielleicht als Trikotsponsor des Bundesliga-Aufsteigers Union Berlin.

Bei den häufigsten Mietern bei der übernommenen TLG liest man Namen wie Edeka, Rewe, Kaufland und Lidl. Somit kommt fast jeder Verbraucher, zumindest indirekt, in Kontakt mit Aroundtown. Durch den Skandal bei Wirecard hat die Aktie nun großes Potenzial, in den DAX aufgenommen zu werden. Vor dem Coronacrash brachte es Aroundtown auf eine Marktkapitalisierung von rund 12 Milliarden Euro, inzwischen sind es noch etwas mehr als 8 Mrd. Euro. Sollte es zum DAX-Aufstieg kommen, dann müssen sämtliche DAX-ETFs ihre Zusammenstellung ändern, und die Aktie kaufen. Die Branchenzusammensetzung des DAX würde sich weiter in Richtung Immobilien entwickeln.

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Deshalb würde ich niemals einen Anleihen ETF kaufen

Ich bin heute über einen Blogbeitrag mit dem Titel „Anleihen ETF sinnvoll? Warum ich Anleihen ETFs kaufe“ gestolpert. Gefunden habe ich den Beitrag, wie so oft über die Plattform „Finanzblognews„.

Ich halte Anleihen ETF nicht nur für sinnlos, sondern auch gefährlich. Diese künstlichen Fonds, sollen verzinste Wertpapiere bündeln und abbilden. Aus Wertpapieren mit Laufzeiten wird ein ETF, der täglich handelbar sein soll. Was mit Fonds passiert, die täglich handelbar sind, aber in langfristige Güter investieren, sah man beim Abverkauf mancher offener Immobilienfonds während der Finanzkrise. Daraufhin wurden Mindesthalte- und Kündigungsfristen eingeführt. In der Corona-Krise passierte das gleiche bei Anleihen ETF. Während der Markteinbrüche im März 2020 rutschten die Preise vieler Anleihe-ETFs deutlich unter den Wert der abgebildeten Indizes.

ETFs sind toxische Wertpapiere, die zu Übertreibungen an den Märkten führen können. Sie nehmen viel Volatilität aus dem Markt raus, die sich dann ungehemmt woanders entladen kann. Der Tagesschlusskurs des in den USA gehandelten, 55 Milliarden Dollar schweren Total Bond ETF von Vanguard lag zum Beispiel rund sechs Prozent unter dem Nettoinventarwert (NAV), das ist der offizielle Gesamtwert des entsprechenden Fondsanteils. Auch bei europäischen Anleihe-ETFs kam es zu Abschlägen. Viele ETFs waren unterhalb ihres eigentlichen Wertes.

Ein weiterer Punkt, der gegen Anleihen ETF spricht, ist das fehlende Management. Anleihen haben drei Ertragsquellen: Der Zins, der Kurs und die Währung. Während der Zins noch einigermaßen automatisch kommt, bedarf es bei Kurs und Währung eines gewissen Managements – vor allem weil der Zins nahe Null tendiert. Ein guter Rentenfond mit aktivem Management steuert die Duration, die Spreads und die Währungen. Zugegeben, nicht alle Rentenfonds sind gut, aber wenn man sie sucht, dann findet man auch gute. Man stelle sich nur eine Unternehmensanleihe vor. Die Firma gerät in Schwierigkeiten. Wen schickt der Anleihen ETF an den Verhandlungstisch? Bei Aktien lasse ich mir ETFs noch einigermaßen gefallen, aber Anleihen sollte man meiner Meinung nach niemals ins ETF-Korsett stecken.

Grüne Mogelpackung? Der neue ESG DAX

Das neueste Mitglied in der DAX-Familie ist, wie könnte es anders sein, ein nachhaltiger Index. Der neue DAX enthält 50 Titel. Mit dabei sind 23 der 30 klassischen DAX-Titel. Die ETF-Branche wittert Vertriebschancen, Experten sind skeptisch.

Der neue ESG-DAX nährt sich aus den drei Indizes DAX, MDAX und TecDAX. Die Gewichtung von Einzeltiteln ist auf sieben Prozent begrenzt. Allerdings gibt es auch Fast-Exit- und Fast-Entry-Regeln – wenn es etwa zu Verstößen gegen die Nachhaltigkeitskriterien kommen sollte. Grundlage sind die UN Global Compact Prinzipien, auch als ESG-Kriterien bekannt.  Titel wie Eon, RWE, Volkswagen und MTU haben es übrigens nicht in den neuen Index geschafft. Auch Airbus, Rheinmetall, Uniper und Jenoptik fallen durchs Raster.

Die am größten vertretene Branche im neuen Index sind Finanzwerte.  IT-Werte sind am geringsten gewichtet. Die  Deutsche Börse reiht sich in eine große Liste anderer ESG-Indizes ein. Der neue ESG-DAX ist kaum innovativ. Die Nachhaltigkeitsansprüche echter Ökofreaks werden durch den ESG nicht wirklich befriedigt, denn es gibt kein Ausschlusskriterium für fossile Brennstoffe wie Erdöl, -gas und Ölsand. Zielgruppe für die nun zahlreichen neuen ETFs auf den Index dürften neugrüne Hippster sein.

Für manche ist es vollkommen unverständlich, weshalb ein Unternehmen wie BASF enthalten ist, dessen Tochterunternehmen Wintershall der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent ist und in Argentinien Fracking-Projekte betreibt. Auch Bayer ist enthalten, dessen Tochter Monsanto seit Jahren in der Kritik steht. Auch Bayer, Daimler, Deutsche Bank oder Siemens sind mit dabei, während kleinere Firmen mangels Handelsvolumen keine Chance haben.

Im Vergleich zum „ÖkoDAX“, den die Deutsche Börse Mitte 2007 eingeführt hat, wird sich der ESG-DAX wohl besser entwickeln. Der „ÖkoDAX“ hatte bis Februar 2020 rund 97% im Vergleich zu seinem Höchststand eingebüßt. Der ESG-DAX wird sich annähernd so entwickeln wie seine „Zulieferer“: DAX, MDAX und TecDAX. Immerhin sind 23 der 30 DAX-Werte im neuen Index enthalten.

Für mich ist das alles eine reine Marketingnummer. Man könnte das Gefühl haben, die Finanzindustrie malt ihre Produkte einfach nur grün an, um sie besser absetzen zu können. Vor Jahren hat das die Lebensmittelindustrie erfolgreich vorgemacht. Auf einmal gab es glutenfreien Tee, Bio-Wasser, veganer Käse, laktosefreie Birnen, Chemie-Sojapampe und anderen Quatsch, den man auf einmal teurer verkaufen konnte.

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Wohin mit dem ganzen Coronageld?

Der Urlaub ist abgesagt, die Gastronomie und Freizeitparks geschlossen und auch sonst kann man nicht wirklich viel machen: Viele Haushalte sparen derzeit sehr viel Geld, weil sie es nicht ausgeben können. Wohin mit all dem Schotter?

Mindestens 35 Millionen Deutsche haben keine Kurzarbeit. Rund 21 Millionen beziehen eine Rente oder Pension. Laut Bundesbank ist die Sparquote auf knapp 11% gestiegen. So hoch war sie zuletzt während der Finanzkrise. Der Grund ist einfach: Viele Einkommen laufen einfach weiter, aber die Ausgaben brechen weg. Statt auf Mallorca verbringe ich mein verlängertes Wochenende einfach zu Hause. Das Bier aus dem Supermarkt gibt es für 0,45 €. In der Gastronomie würde ich ohne mit der Wimper zu zucken 3,5 € bezahlen.

Zugegeben, für Menschen deren Einkommen gerade wegbricht, liest sich dieser Artikel wie blanker Hohn. Aber die Fakten sind trotzdem glasklar. Viele Haushalte können jetzt mehr zur Seite legen. Die Urlaubskassen sind gefüllt und das Girokonto hat einen Punkte im Kontostand. Eine sinnvolle Idee ist jetzt Vermögen zu bilden. Die Börsen haben sich von ihren Rekordkursen entfernt – der Einstieg macht wieder Spass. Die 11%-Sparquote spricht für sich. Wer jetzt regelmäßig Geld zu Seite legt, hat später umso mehr davon.

Geld weg aus den Sichteinlagen! Niemand muss sein Geld zinslos parken. Niemand muss zwanghaft sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen lassen. Bei manchen ist es Faulheit, bei anderen Unwissenheit und bei manchen womöglich eine besondere Form von Opferkult. Schließlich muss man ja was haben, um sich aufzuregen. EZB als Feinbild. Da kann man wenigstens mitreden und im bundesweiten Jammer-Chor mitsingen.

Besser sind Fondssparpläne. Sobald die Pandemie abklingt, wird die Börse wieder berechenbarer. Auch wenn es in den nächsten Monaten immer wieder zu heftigen Schwankungen kommen kann: Langfristig bietet sich jetzt eine einmalige Chance, endlich mal günstig in den Markt zu kommen. Welche Fonds und mit welchem Risiko muss jeder selbst wissen. Und keine Angst vor Kursrückgängen: Fallen die Preise, dann gibts automatisch mehr Anteile fürs gleiche Geld.

Es muss kein ETF sein. Indexfonds hebeln wichtige Machtmechanismen aus. Dabei sind funktionierende Märkte, die auch ein gewisses Maß an Volatilität zulassen, unerlässlich für eine angenehme Finanzmarktstabilität. Mit ETFs unterdrücken wir sehr viel Volatilität, was sich irgendwann als „black swan“ entladen könnte. Auch jetzt im Corona-Crash sieht man, dass viele ETFs heftig gefallen sind, während (gute) aktive Fonds gekonnt durch die Krise schippern.

Ich habe derzeit vier Sparpläne in Fonds laufen:

  1. globaler Aktienfonds mit Fokus auf Dividendenqualität
  2. globaler Aktienfonds mit Fokus auf Industrie 4.0
  3. globaler Mischfonds mit offensiver Strategie
  4. globaler Mischfonds mit defensiver Strategie

Diese vier Fonds sind für mich und für den Moment in Ordnung. Dieses Blog gibt keine Empfehlungen zu Wertpapieren ab

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bevestor – Robo-Advisor: Erfahrungsbericht

Eine Roboter gesteuerte Vermögensverwaltung hört sich schon irgendwie interessant an. Der Anbieter bevestor gehört zur Deka-Gruppe und ist relativ neu auf dem Markt. Ich habe ihn einfach mal getestet.

Die Beratung: Als erstes starte ich den Anlageassistenten. Dort werden mir zahlreiche Fragen zu meiner Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft gestellt. Alles ist intuitiv bedienbar und leicht verständlich. Eine Überraschung war, dass ich einen „Anlageschutz“ zubuchen kann. Das interessiert mich aktuell nicht. Scheinbar ist das sowas ähnliches wie ein „Stop-Limit“. Eine weitere Besonderheit ist, dass man zusätzliche Themenschwerpunkte setzen kann. So könnte ich in meinem Depot Akzepte beim Thema Wasser, Klima, Industrie 4.0, Klimawandel, Nachhaltigkeit und anderen setzen. Am Ende wird mit das Depot Select 50 empfohlen. Ich sehe auf einen Blick die Aufteilung der Anlageklassen sowie die historische Wertentwicklung der letzten 10 Jahre (fiktiv). Auch eine Prognose für die nächsten 10 Jahre kann ich anschauen. Nun kann ich ab 1.000 € einmalig oder ab 25 € monatlich investieren, oder das Portfolio einfach nur beobachten.

Die Depoteröffnung: Ich klicke auf Portfolio kaufen. Zunächst registriere ich mich und gebe alle Daten von mir ein. Die komplette Depoteröffnung ist online. Ich muss das Haus nicht verlassen. Viele Bestätigungen laufen über sogenannte mTANs. Das sind Nummern, die man aufs Handy bekommt und zur Bestätigung eingibt. Zur Legitimationsprüfung muss ich eine gesonderte App laden. In dieser App habe ich dann per Video-Chat mit einem Mitarbeiter gesprochen. Dieser hat mein Handy aus der Ferne quasi ferngesteuert (die App erlaubt ihm das). Während des Telefonates musste ich mein Gesicht und meinen Ausweis mehrfach, in verschiedenen Positionen in die Kamera halten. Das war insgesamt etwas gruselig, hat aber gut geklappt. Angenehm finde ich, dass man von bevestor stets geduzt wird.

Die Handhabung: Ich bespare nun schon seit einigen Monaten regelmäßig mein Depot. Die App ist wirklich gut. Per Fingerscan logge ich mich ein. Käufe und Verkäufe gehen unkompliziert per mTAN. In der App sehe ich auf einen Blick, wie hoch mein Depotstand und wie die Wertentwicklung ist. Ich kann auch tiefer rein gehen, und sehe welche einzelnen Fonds (meistens ETFs) ich habe und wie sie gewichtet sind. Ich hatte 2-3 Fragen an bevestor (Freistellungsauftrag etc…), die immer sehr schnell beantwortet wurden.

Die Betreuung: Heute kam eine Mail mit Informationen zur derzeitigen Börsenkorrektur aufgrund des Coronaviruses. Die Mail war klar verständlich und es wurde erklärt, wie sich das Marktgeschehen auf die einzelnen Depots auswirkt. Es ist eben eine Vermögensverwaltung. Als Anleger gibt man die Leitplanken vor, aber der Roboter handelt innerhalb dieser Planken völlig selbstständig. Auch die Kosten werden transparent ausgewiesen. Etwas schade ist, dass ich bevestor nicht im Online-Banking der Sparkasse sehen kann (so wie andere Depots bei der Deka auch).

Fazit: Für Anleger, welche die Einzeltitelselektion an einen Vermögensverwalter delegieren möchte, kann bevestor eine Alternative sein. Die Handhabung per App ist genial. Das habe ich so noch nicht erlebt. Mutter von bevestor ist die DekaBank. Allerdings finden sich in meinem Depot auch ETFs und Fonds vieler anderer Anbieter. Ich werde das Produkt noch einige Zeit beobachten, bin aber bisher sehr zufrieden und positiv überrascht.

Nachhaltige ETFs und Fonds: Deshalb investieren viele von Ihnen auch in Alkohol, Tabak oder Kohle

Der typische Käufer eines als nachhaltig beworbenen Finanzproduktes möchte sich an politisch korrekten Unternehmen beteiligen. So könnte man zwar meinen, aber in der Realität sieht es anders aus.

Bisher ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht genau definiert. Es gibt zwar die ESG-Kriterien, die ähnlich wie ein Scoringmodell funktionieren, aber schlussendlich können die Anbieter selbst entscheiden, was ihre Marketingabteilung als nachhaltig bezeichnen soll und was nicht. Man muss schon tief wühlen, um herauszufinden, was in einem Fonds steckt. Die beste Transparenz liefern die Jahresberichte. In den meisten Aktienfonds findet man Werte wie Renault, OMV (Öl-Konzern), Nestle und viele weitere. Auch Siemens findet man, trotz neulinker Proteste gegen das Unternehmen, fast in allen Fonds. Auch von Flugscham keine Spur: Manche nachhaltige Fonds halten auch Aktien der TUI AG. Auch McDonalds, Coca-Cola und viele US-Airlines finden sich in den grünen Fonds.

Auch der ESG-Index, auf den sich viele grüne ETFs beziehen, ist nicht viel besser. Er beinhaltet neben Autobauern, sogar einen Bierkonzern und auch Siemens. Grund dafür ist, dass sich die Fondsgesellschaften, aber auch die Indexanbieter, eigene Regeln geben. Meist wird mit Quoten gearbeitet. So darf ein Konzern seinen Umsatz beispielsweise maximal bis zu 5% aus Tabak oder Alkohol machen, damit er als nachhaltig gilt. Bei einer 0-Toleranz-Grenze dürfte der Fonds nicht mal die Aktien eines Supermarktes kaufen, denn da gibt es ja auch Tabak oder Alkohol. Um auch weiter zu investieren, nutzen manche Fonds einen „best in class“ Ansatz. Hier darf auch in z.B. eine Fluglinie investiert werden, aber halt immer nur in die „sauberste“.

Für Verbraucher wird es natürlich schwierig. Es lohnt ein genauer Blick in die Produktunterlagen. Einfach nur auf die Überschrift „nachhaltig“ zu vertauen, ist zu wenig. Man könnte das Gefühl haben, die Finanzindustrie malt ihre Produkte einfach nur grün an, um sie besser absetzen zu können. Vor Jahren hat das die Lebensmittelindustrie erfolgreich vorgemacht. Auf einmal gab es glutenfreien Tee, Bio-Wasser, veganer Käse, laktosefreie Birnen, Chemie-Sojapampe und anderen Quatsch, den man auf einmal teurer verkaufen konnte.

So wird jeder Millionär

Sie geben jeden Monat weniger aus, als Sie einnehmen und Sie haben mindestens 35 Jahre lang Zeit? Legen Sie Ihren Überschuss ertragreich an, dann können Sie Millionär werden.

Mit der folgenden monatlichen Sparrate kann es in 35 Jahren gelingen. Je nach Renditechance kann sie höher oder niedriger ausfallen.

  • Bei 0% Zins (Sparkonto, Tagesgeld): 2.381 €
  • Defensives Mischportfolio, 2%: 1.650 €
  • Ausgewogenes Mischportfolio, 4%: 1.108 €
  • Defensive Aktienstrategie, 6%: 725 €
  • Offensive Aktienstrategie, 8%: 464 €

Bei 8% Jahresrendite reichen also schon 15 € pro Tag, um in 35 Jahren Millionär zu sein. Wer mehr Zeit hat, muss sogar noch viel weniger investieren. Sie leben zu zweit, dann reichen bei 8% Rendite sogar 7,5 € pro Person und Tag, damit Sie in 35 Jahren gemeinsam Millionär sind. Je nach Sparfähigkeit muss es eben mehr Laufzeit oder mehr Rendite sein. Wer wenig sparen kann, sollte früh anfangen und eine hohe Rendite wählen. Wer bewusst auf Rendite verzichtet, lässt sich FREIWILLIG enteignen.

Deshalb kann BlackRock nicht so einfach aus klimaschädlichen Investitionen raus

Im jährlichen Brief an die CEOs bedeutender Unternehmen erörtert der BlackRock-Chef Larry Fink eine grundlegende Umgestaltung der Finanzwelt und die Bedeutung des Klimawandels als Triebfeder.

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock drängt Konzerne zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel. Andernfalls würden sich die Anleger zunehmend abwenden, warnte Larry Fink. BlackRock werde sich aus Investitionen zurückziehen, die etwa wie die Kohleförderung mit hohen Nachhaltigkeitsrisiken verbunden seien. Dass Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes bei Investitionsentscheidungen immer wichtiger werden, kann ja sein, aber gerade BlackRock kann die „dirty economy“ nicht so einfach abstoßen. Das Ganze riecht nach einem „Marketing-Witz“.

Mit einem verwalteten Vermögen in Höhe von etwa 1,6 Billion US-Dollar in mehr als 700 Fonds gehört iShares zu den größten ETF-Anbietern. Diese Marke gehört zu BlackRock und weil die iShares-ETFs so sehr beliebt sind, ist BlackRock inzwischen an jedem namhaften Unternehmen bedeutsam beteiligt. Ein DAX-ETF muss nun mal den DAX kaufen, ob er will oder nicht. Ein europäischer ETF hat automatisch auch Shell, Total, Siemens und so weiter im Portfolio. BlackRock kann sich also nicht wirklich von diesen Werten trennen. Inzwischen gibt es auch „Öko-Indizes“ oder Aktienindizes, die gewisse Nachhaltigkeitskriterien (z.B. nach ESG) erfüllen, doch hier handelt es sich noch immer um ein Randsegment.

Wie passive Fonds wirklich nachhaltig investieren können, bleibt vielen Anlegern ein Rätsel. Wer wirklich mit reinem Gewissen anlegen will, sollte auf die Selektion durch Profis achten.