Finanz-Mythen Teil 2: „Banken verleihen eigenes Geld“

Tatsächlich glauben noch immer viele Menschen, Banken würden eigenes Geld verleihen. Bei „Kredithaien“ oder auch privaten Darlehensgebern ist das durchaus so: Sie verleihen ihr eigenes Geld. Aber Banken tun das nicht.

Vergibt eine Bank einen Kredit, dann sind das schlussendlich zwei Buchungen: Soll und Haben. Man nennt das Geldschöpfung. Hierbei investiert die Bank noch kein Eigenkapital, sondern sie erzeugt neues Geld. Bezahlt der Kreditnehmer den Kredit mit allen Zinsen zurück, dann erhöht der Zinsüberschuss, aber nicht die Tilgung, das Eigenkapital der Bank. Geht der Kreditnehmer pleite und der Kredit wird abgeschrieben, dann reduziert sich das Eigenkapital der Bank um den gesamten Kreditbetrag. Die Bank kann also wesentlich mehr verlieren, als sie gewinnen kann. Daher prüfen Banken stets sehr genau, ob ein potenzieller Kreditnehmer den Kredit auch tilgen kann.

Nun könnte man sich denken, Banken könnten unendlich Kredite an gute Kunden vergeben. Weil es Grenzen gibt, können sie das natürlich nicht. Jeder Kredit muss mit Eigenkapital unterlegt werden; kein Eigenkapital – kein Kredit. Auch muss die Liquidität der Bank sichergestellt sein. Die Bank darf, vereinfacht gesagt, nur dann neue Kredite herausgeben, wenn sie für die Sparerinnen und Sparer der Einlagenseite entsprechend liquide ist. In rechtsesoterischen Kreisen wird die Geldschöpfung per Kredit stark kritisiert. Diese Populisten vergessen aber immer, dass alle Abschreibungen auf die Kredite voll das Eigenkapital der Bank belasten. Zudem haben wir halt ein kreditgestütztes Geldsystem und es finden sich derzeit keine Mehrheiten für ein anderes System, weil es viele Machthaber viel zu mächtig macht.

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