Dies ist der größte Fehler, den Anlegende machen

Das Netz und die Fachpresse sind voller Berichte, über typische Fehler von Anlegenden. Ich wette, dieser hier ist neu für Sie. Er betrachtet die Anlagewelt aus einer neuen Perspektive.

Fall 1: Ich habe Kopfweh und gehe in die Apotheke meines Vertrauens. Dort frage ich nach einem Schmerzmittel. Ich will das beste und tollste Schmerzmittel, das es gibt. Und es muss günstig sein. Und die Apotheke darf nicht viel daran verdienen. Und nachhaltig soll es sein. Danach erklärt mir die Person hinterm Tresen rund 50 verschiedene Medikamente und erläutert mir professionell alle Vor- und Nachteile. Dann entscheide ich ganz rational und wähle das beste Medikament aus. Mache ich das wirklich? NEIN!!!!!! Das mache ich nicht!!! Ich habe Kopfweh verdammt und der Apotheker (m/w/d) soll mich gefälligst fragen, um was für einen Schmerz es sich handelt, damit ER mir das perfekte Produkt empfehlen kann. Ich habe keine Lust mich durch 87 Millionen Seiten Fachliteratur zu quälen. Ich vertraue dem Apotheker. Er empfiehlt und er darf für diese Mühe auch etwas verdienen.

Fall 2: Ich habe Zahnweh. Der linke Bankenzahn im Oberkiefer tut weh. Ich gehe zum Zahnarzt und erzähle ihm das. Er möchte meinen gesamten Mund untersuchen, aber ich behindere ihn daran. Schließlich tut ja nur mein linker Backenzahn weh, und nicht der gesamte Mund. Dieser bonigeile Zahnarzt soll nicht unnötig Gebühren verursachen und einfach nur diesen einen Zahn behandeln. Ich habe das vorher gegoogelt und weiß bescheid. Der Zahnarzt quasselt was von Ganzheitlichkeit, aber das möchte ich nicht. Einfachheit ist eh immer besser. Der soll das mal nicht so kompliziert machen. Wer braucht schon eine komplette Untersuchung um sich gesund zu fühlen?

Botschaft angekommen ?

Ok, manche haben es noch nicht verstanden. Macht nichts. Daher in einem Satz: In die Bank gehen und nach einem bestimmten Anlageprodukt fragen, machen nur Menschen, die zu dumm für Check24 sind. Will man stattdessen eine konkrete und passende Empfehlung, dann befragen nur die Dummen das Internet. Hier bedarf es Profis. Hat schon mal jemand ein Krankheitssymptom gegoogelt? Danach hat man immer Krebs. So ist es auch bei Anlageprodukten. Gäbe es noch Sparkassen oder Volksbanken, wenn die persönliche Empfehlung durch eine Vertrauensperson keinen Mehrwert böte?

Zinsen: Die freiwillige Enteignung

Die Deutschen bunkern rund 1,5 Billionen Euro auf Konten ohne Zinsen. Manche schimpfen, andere haben resigniert. Diese kollektive Opferhaltung birgt eine unbequeme Wahrheit: Die Enteignung findet freiwillig statt.

Staaten haben Schulden und Bürger haben Guthaben. Das Guthaben des einen ist immer auch die Schuld eines anderen. Staatspolitisches Ziel ist somit immer, die Guthaben mit den Schulden zu verrechnen. Dies geht über Steuern, Enteignung, Krieg oder Inflation. Noch wird die Substanz von Vermögen nicht wirklich besteuert (nur die Erträge daraus). Auch Enteignungen gehören noch ins Reich neulinker Spinnerei. Daher soll es über Inflation gemacht werden. Das von der EZB ausgerufene Ziel: Nahe aber unter zwei Prozent Geldentwertung pro Jahr. Somit schrumpft die Kaufkraft von Guthaben, aber auch die von Schulden. Bei Nullzins und beispielsweise 1,5% Inflation, verlieren Sparer jährlich 1,5% – in zehn Jahren sind das immerhin 15%. Das kann man Enteignung nennen. Politiker würden es stolz Schuldenkonsolidierung nennen und auf Plakate schreiben. Banker nennen es Realzinsfalle. Auf ein oder zwei Jahre lässt sich ein negativer Realzins (Guthabenszins minus Inflation) noch aushalten, aber bei langfristigen Anlagen (Altersvorsorge) tut das richtig weh.

Aber das ganze findet ja freiwillig statt. Niemand muss sein Geld zinslos parken. Niemand muss zwanghaft sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen lassen. Wir müssen das nicht tun! Trotzdem tun wirs und die Gründe sind wie immer vielfältig. Bei manchen ist es Faulheit, bei anderen Unwissenheit und bei manchen womöglich eine besondere Form von Opferkult. Schließlich muss man ja was haben, um sich aufzuregen. EZB als Feinbild. Da kann man wenigstens mitreden und im bundesweiten Jammer-Chor mitsingen. Was auch immer die individuellen Gründe fürs Nichtstun sind, schlussendlich findet alles freiwillig statt. Niemand muss sich enteignen lassen. Kann es sein, dass es dauerempörte Wutbürger sogar befriedigend finden, sich ständig (in einer Opferrolle) aufzuregen?

Na gut, was kann man denn tun? Das ist kein Geheimnis. Das geht für die meisten Menschen allerdings nicht per „Check24“. Für eine breit gestreute Anlagestrategie sollte man sich schon mal ne Stunde Zeit nehmen. Einem guten Immobilienfonds darf man langfristig rund 2% per Anno zutrauen. Von einem global gestreuten Anleihenkorb kann man 0,5% bis 1% erwarten, wenn man bereit ist gewisse Schwankungen zu akzeptieren. Und dann sind da noch Unternehmensbeteiligungen. Bei Aktien wird es immer wieder zu Schwankungen kommen, doch langfristig sollten 5% pro Jahr drin sein. Zur Beimischung taugen noch Rohstoffe (Gold, Silber, Energie) und spezielle Derivate zur Absicherung. Jegliche Kursschwankung (egal bei welcher Assetklasse) kann durch monatlichen Einstieg („Sparplan“) abgemildert werden. Auch können Zertifikate auf einen Aktienindex zum Einsatz kommen, die einen Puffer haben und somit eine auskömmliche Seitwärtsrendite bringen dürften.

Was auch immer Anleger tun, Nullzins muss nicht sein. Allerdings muss man sich mit dem Thema beschäftigen und (neben dem Anlagebetrag) wirklich mal 1-2 Stunden investieren. Einen risikolosen Zins, quasi als „bedingungsloses Grundeinkommen für Reiche“ muss es nicht geben, gibt es nicht und wird es die nächsten Jahre auch nicht mehr geben. Aber über was soll man sich denn dann aufregen, wenn man auf einmal wieder Renditen hat? Da fällt der Empörungsindustrie sicher was ein. Irgendwas ist immer.

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