Wenn Wirecard aus dem DAX fliegt, könnte schon wieder ein Immobilienkonzern nachrücken

Dass die Lufthansa aus dem DAX fliegt und durch die Deutsche Wohnen ersetzt wird, gilt als ausgemacht. Nun gab es diese Woche ein Blutbad bei Wirecard. Wenn der gebeutelte Konzern die erste Börsenliga verlassen muss, dann könnte nach Vonovia und der Deutschen Wohnen ein weiterer Immobilienkonzern in den DAX nachrücken.

Erst vor kurzem sicherte sich der MDAX-Konzern, Aroundtown SA, rund 78 Prozent an dem kleineren Konkurrenten TLG. Durch den Zusammenschluss werden die Luxemburger europaweit zum größten Anbieter von Bürohäusern. Gemessen an der Bilanzsumme entstand so der drittgrößte Immobilienkonzern Europas. Aroundtown verdient sein Geld zwar hauptsächlich mit Gewerbeimmobilien, ist aber auch mit 39 Prozent am Wohnimmobilienunternehmen Grand City Properties beteiligt, das zuletzt rund 76.000 Wohnungen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Berlin hatte. Das Unternehmen ist bisher kaum bekannt, außer vielleicht als Trikotsponsor des Bundesliga-Aufsteigers Union Berlin.

Bei den häufigsten Mietern bei der übernommenen TLG liest man Namen wie Edeka, Rewe, Kaufland und Lidl. Somit kommt fast jeder Verbraucher, zumindest indirekt, in Kontakt mit Aroundtown. Durch den Skandal bei Wirecard hat die Aktie nun großes Potenzial, in den DAX aufgenommen zu werden. Vor dem Coronacrash brachte es Aroundtown auf eine Marktkapitalisierung von rund 12 Milliarden Euro, inzwischen sind es noch etwas mehr als 8 Mrd. Euro. Sollte es zum DAX-Aufstieg kommen, dann müssen sämtliche DAX-ETFs ihre Zusammenstellung ändern, und die Aktie kaufen. Die Branchenzusammensetzung des DAX würde sich weiter in Richtung Immobilien entwickeln.

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Der DAX ist nicht mehr zeitgemäß

Wir schielen alle immer nur auf den DAX. Er soll das Barometer sein, das den Herzschlag der deutschen Wirtschaft misst. Aber das tut es nicht. Der DAX misst nicht mal richtig die Aktienkurse.

„DAX mit Rekordhoch“, las man neulich überall. Aber es war kein Rekordhoch, denn die Aktienkurse der meisten DAX-Aktien sind ungefähr auf dem Niveau von vor 20 Jahren. Trotzdem steht der Index auf einer Rekordmarke, weil in seine Berechnung auch die Dividendenausschüttungen einberechnet werden. Die Aktienkurse könnten also auch gleich bleiben, alleine durch die Dividende würde der DAX steigen. Der DAX taugt somit nichts als Preisindikator. Er lässt Aktien optisch teuer wirken, obwohl sie vielleicht sogar günstig sind.

Zudem ist der DAX viel zu klein. Mit 30 Einzeltiteln vertritt er nur die „Spitze des Eisberges“. Sieht man sich zusätzlich den MDAX an, der die nächsten 50 deutschen Aktien enthält, dann sieht die Sache schon besser aus. DAX und MDAX starteten bei Einführung beide bei 1.000 Punkten. Der DAX steht nun über 13.000 und der MDAX bei über 28.000 Punkten. Wer nur auf den DAX schaut, schaut langfristig an der Rendite vorbei.

Was ist zu tun? DAX und MDAX sollten zusammen gelegt werden. So ergibt sich ein neuer Leitindex, bestehend aus 80 Einzelaktien, der einen Großteil des deutschen Aktienmarktes repräsentiert. Natürlich sollte dies dann ein reiner Kursindex sein, der Dividenden nicht berücksichtigt. Der Indexbetreiber könnte beide Indizes (neuer DAX und alter DAX) parallel anbieten. Der Markt entscheidet dann (über Kauf von Derivaten und ETFS), welche Variante die attraktivere ist.