Deshalb würde ich niemals einen Anleihen ETF kaufen

Ich bin heute über einen Blogbeitrag mit dem Titel „Anleihen ETF sinnvoll? Warum ich Anleihen ETFs kaufe“ gestolpert. Gefunden habe ich den Beitrag, wie so oft über die Plattform „Finanzblognews„.

Ich halte Anleihen ETF nicht nur für sinnlos, sondern auch gefährlich. Diese künstlichen Fonds, sollen verzinste Wertpapiere bündeln und abbilden. Aus Wertpapieren mit Laufzeiten wird ein ETF, der täglich handelbar sein soll. Was mit Fonds passiert, die täglich handelbar sind, aber in langfristige Güter investieren, sah man beim Abverkauf mancher offener Immobilienfonds während der Finanzkrise. Daraufhin wurden Mindesthalte- und Kündigungsfristen eingeführt. In der Corona-Krise passierte das gleiche bei Anleihen ETF. Während der Markteinbrüche im März 2020 rutschten die Preise vieler Anleihe-ETFs deutlich unter den Wert der abgebildeten Indizes.

ETFs sind toxische Wertpapiere, die zu Übertreibungen an den Märkten führen können. Sie nehmen viel Volatilität aus dem Markt raus, die sich dann ungehemmt woanders entladen kann. Der Tagesschlusskurs des in den USA gehandelten, 55 Milliarden Dollar schweren Total Bond ETF von Vanguard lag zum Beispiel rund sechs Prozent unter dem Nettoinventarwert (NAV), das ist der offizielle Gesamtwert des entsprechenden Fondsanteils. Auch bei europäischen Anleihe-ETFs kam es zu Abschlägen. Viele ETFs waren unterhalb ihres eigentlichen Wertes.

Ein weiterer Punkt, der gegen Anleihen ETF spricht, ist das fehlende Management. Anleihen haben drei Ertragsquellen: Der Zins, der Kurs und die Währung. Während der Zins noch einigermaßen automatisch kommt, bedarf es bei Kurs und Währung eines gewissen Managements – vor allem weil der Zins nahe Null tendiert. Ein guter Rentenfond mit aktivem Management steuert die Duration, die Spreads und die Währungen. Zugegeben, nicht alle Rentenfonds sind gut, aber wenn man sie sucht, dann findet man auch gute. Man stelle sich nur eine Unternehmensanleihe vor. Die Firma gerät in Schwierigkeiten. Wen schickt der Anleihen ETF an den Verhandlungstisch? Bei Aktien lasse ich mir ETFs noch einigermaßen gefallen, aber Anleihen sollte man meiner Meinung nach niemals ins ETF-Korsett stecken.

Ein Verwahrentgelt ist kein Negativzins

Immer mehr Banken führen ein Verwahrentgelt ein. Besonders ärgerlich dabei: Steuerlich sind Negativzinsen keine Zinsen.

Der Minuszins ist längst da. Allerdings wird er nur noch nicht von jedem bezahlt. Bislang gaben viele Banken den Strafzins nicht an ihre Kunden weiter. Die Belastung wurde sozusagen quersubventioniert. Inzwischen brechen aber die Dämme. Die meisten Banken haben schon länger individuelle Vereinbarungen mit gewerblichen oder institutionellen Kunden. Dieser Tage wird es normal, auch Privatkunden mit dem Negativzins der EZB zu belasten. Damit es nicht zur „Reise nach Jerusalem“ kommt, verlangen viele Banken den Strafzins (noch) nur sogenannten Neukunden und meist erst ab 100.000 €.

Ein schlauer Anlegender könnte jetzt meinen, dass ein Negativzins eine negative Einkunft ist, die er steuerlich mit anderen Kapitaleinkünften verrechnen kann. Ähnlich wie bei Wertpapieren könnte es einen Steuertopf geben, dessen Saldo versteuert würde. Oder die Bank erstellt eine Bescheinigung über den bezahlten Minuszins und der Anleger verrechnet das mit dem Finanzamt. Doch das alles geht nicht, denn der Strafzins ist kein Zins.

Ein Verwahrentgelt ist eine Gebühr. Somit gehört dieser Posten zu den Werbungskosten. Diese können zwar von der Kapitalertragssteuer abgesetzt werden, aber nur bis zum maximalen Werbungskostenpauschbetrag. Derzeit liegt dieser bei 51 € und kann gemeinsam mit dem Sparerfreibetrag (750 €) als sog. Freistellungsauftrag für Kapitalerträge mit maximal 801 € pro Person bei der Bank eingetragen werden. Dieser Freibetrag kann auf mehrere Banken aufgeteilt werden, darf in Summe aber nicht die 801 € pro Person übersteigen. Tipp: Auch Kinder können Erträge in Höhe von 801 € pro Jahr freistellen.

Nein, Dividende ist nicht der neue Zins

Dividende sei der neue Zins, wollen uns geschickte Vertriebler glauben lassen. Mit dieser Aussage sollen risikoscheue Zins-Sparer angelockt werden. Fachlich gesehen, ein großer Trugschluss.

Um zu verstehen, warum Dividende nicht der neue Zins ist, müssen wir uns den grundlegenden Unterschied zwischen Anleihen und Aktien verdeutlichen. Anleihen sind Kredite. Geht der Schuldner nicht pleite, dann bekommen die Anleger 100% ihres Einsatzes zurück. Bis zur Fälligkeit kann es planmäßig zu regelmäßigen Zinszahlungen kommen. Das Risiko- Renditeverhältnis ist also stark asymmetrisch: Man kann bei Anleihen (und Krediten aller Art) maximal den Zins gewinnen, aber die gesamte Ausleihung verlieren. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist (je nach Rating) zwar gering, aber durchaus vorhanden. Der Zins bezahlt einem breit diversifizierten Anleihen-Investor im Optimalfall die Ausfälle, weil jeder Kreditnehmer seinen potenziellen Ausfall als Risikoaufschlag (Spread) bezahlt.

Bei Aktien ist das Risiko- Renditeverhältnis viel symmetrischer. Aktien sind für die Unternehmen Eigenkapital, das gestückelt an einem Marktplatz gehandelt wird. Jeder Besitzer von Aktien hat ein Anrecht auf Beteiligung am Jahresüberschuss (sog. Dividende). Der Marktpreis von Aktien (sog . Aktienkurs) schwankt um den inneren Wert des Unternehmens. Eine Rückzahlung wie bei Anleihen gibt es nicht. Anleger machen immer erst dann Kasse, wenn sie die Papiere verkaufen. Aktien steigen und fallen, während die Dividende eine relativ feste Einkommensart ist. Weil Unternehmen eher wachsen und nicht schrumpfen (im Schnitt betrachtet) und weil die Dividende eine relativ konstante Zahlen ist, sind die Renditen von Aktien langfristig nicht komplett symmetrisch, sondern rechtsschief.

Zins und Dividende sind komplett unterschiedliche Dinge. Beide tragen zu einem steten Zufluss an Cash bei, aber die ursächliche Investition ist jeweils eine grundlegend andere. Bei einem haben die eingangs erwähnten Vertriebler aber recht: Fixed Income Strategien können für viele Anleger ein möglicher Ausweg aus der Nullzinsfalle sein, denn die Enteignung durch Minuszins findet freiwillig statt.

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Zinsen: Die freiwillige Enteignung

Die Deutschen bunkern rund 1,5 Billionen Euro auf Konten ohne Zinsen. Manche schimpfen, andere haben resigniert. Diese kollektive Opferhaltung birgt eine unbequeme Wahrheit: Die Enteignung findet freiwillig statt.

Staaten haben Schulden und Bürger haben Guthaben. Das Guthaben des einen ist immer auch die Schuld eines anderen. Staatspolitisches Ziel ist somit immer, die Guthaben mit den Schulden zu verrechnen. Dies geht über Steuern, Enteignung, Krieg oder Inflation. Noch wird die Substanz von Vermögen nicht wirklich besteuert (nur die Erträge daraus). Auch Enteignungen gehören noch ins Reich neulinker Spinnerei. Daher soll es über Inflation gemacht werden. Das von der EZB ausgerufene Ziel: Nahe aber unter zwei Prozent Geldentwertung pro Jahr. Somit schrumpft die Kaufkraft von Guthaben, aber auch die von Schulden. Bei Nullzins und beispielsweise 1,5% Inflation, verlieren Sparer jährlich 1,5% – in zehn Jahren sind das immerhin 15%. Das kann man Enteignung nennen. Politiker würden es stolz Schuldenkonsolidierung nennen und auf Plakate schreiben. Banker nennen es Realzinsfalle. Auf ein oder zwei Jahre lässt sich ein negativer Realzins (Guthabenszins minus Inflation) noch aushalten, aber bei langfristigen Anlagen (Altersvorsorge) tut das richtig weh.

Aber das ganze findet ja freiwillig statt. Niemand muss sein Geld zinslos parken. Niemand muss zwanghaft sein Geld auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen lassen. Wir müssen das nicht tun! Trotzdem tun wirs und die Gründe sind wie immer vielfältig. Bei manchen ist es Faulheit, bei anderen Unwissenheit und bei manchen womöglich eine besondere Form von Opferkult. Schließlich muss man ja was haben, um sich aufzuregen. EZB als Feinbild. Da kann man wenigstens mitreden und im bundesweiten Jammer-Chor mitsingen. Was auch immer die individuellen Gründe fürs Nichtstun sind, schlussendlich findet alles freiwillig statt. Niemand muss sich enteignen lassen. Kann es sein, dass es dauerempörte Wutbürger sogar befriedigend finden, sich ständig (in einer Opferrolle) aufzuregen?

Na gut, was kann man denn tun? Das ist kein Geheimnis. Das geht für die meisten Menschen allerdings nicht per „Check24“. Für eine breit gestreute Anlagestrategie sollte man sich schon mal ne Stunde Zeit nehmen. Einem guten Immobilienfonds darf man langfristig rund 2% per Anno zutrauen. Von einem global gestreuten Anleihenkorb kann man 0,5% bis 1% erwarten, wenn man bereit ist gewisse Schwankungen zu akzeptieren. Und dann sind da noch Unternehmensbeteiligungen. Bei Aktien wird es immer wieder zu Schwankungen kommen, doch langfristig sollten 5% pro Jahr drin sein. Zur Beimischung taugen noch Rohstoffe (Gold, Silber, Energie) und spezielle Derivate zur Absicherung. Jegliche Kursschwankung (egal bei welcher Assetklasse) kann durch monatlichen Einstieg („Sparplan“) abgemildert werden. Auch können Zertifikate auf einen Aktienindex zum Einsatz kommen, die einen Puffer haben und somit eine auskömmliche Seitwärtsrendite bringen dürften.

Was auch immer Anleger tun, Nullzins muss nicht sein. Allerdings muss man sich mit dem Thema beschäftigen und (neben dem Anlagebetrag) wirklich mal 1-2 Stunden investieren. Einen risikolosen Zins, quasi als „bedingungsloses Grundeinkommen für Reiche“ muss es nicht geben, gibt es nicht und wird es die nächsten Jahre auch nicht mehr geben. Aber über was soll man sich denn dann aufregen, wenn man auf einmal wieder Renditen hat? Da fällt der Empörungsindustrie sicher was ein. Irgendwas ist immer.

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